Dual Fr 09 November 2018

1, 2, 3 ZUKMANIA!

Eine Veranstaltung, zwei Tage, drei Streckentypen, mit einem Wort: ZukMania!
An einem Wochenende Mitte September erinnern die Freunde vom Bikerclub MC Pepe Bevagna mit einer Tour an Maurizio Zucchetti (Zuk), ein Geländefahrer, der leider 2013 während eines Rennens in San Severino (Marche) verunglückt ist.
Die Veranstaltung bietet: drei Routen und drei Strecken – Classic, Big und Straßenenduro – jede für einen anderen Motorradtyp bzw. -fahrer. Jeder Teilnehmer erhält GPS-Tracks auch wenn eher in Gruppen gefahren wird, in freundschaftlicher Atmosphäre und mit einem oder mehreren Führern für jede Strecke.
Die Big-Enduro-Variante können wir in jeder Beziehung als echte Adventouring-Tour bezeichnen: schön, lang, streckenweise anspruchsvoll und mit viel, viel Offroad!
Um das mit einer Zweizylinder bewältigen zu können, braucht es ein bisschen Übung, denn das felsige Gelände Umbriens bzw. der Marche gehört zu den schwierigeren; die weißenKalksteine sind hart, manchmal sitzen sie fest, manchmal locker aber vor allem sind sieverflixt glatt und rutschig.
Offensichtlich waren diese Schwierigkeiten Corrado – einem alten Hasen unter denEndurofahrern – nicht bewusst und er hat die gesamte Strecke der zwei Tage Big Enduro mit seiner Frau auf dem Sozius auf einer BMW GS 800 ohne mit der Wimper zu zucken durchgezogen! Das erwähne ich nur, um zu zeigen, dass die Strecke nicht unmöglich war, ganz im Gegenteil! Mit etwas Können und Geschick konnte sie ohne Probleme zuendegefahren werden, aber man musste geübt sein, vor allem, wenn man mit schweren und anspruchsvollen Motorrädern fuhr.

Samstag
Die Big Enduro Tour erstreckt sich über eine Entfernung von 240 Kilometern, mit einem Offroad-Anteil von ungefähr 70%. Start ist in Bevagna und Ziel in der Nähe von San Severino Marche, in dem Ort, in dem Maurizio seine Lieben gelassen hat und in dem in diesem Jahr eine Gedenktafel für ihn angebracht wird.
Der Weg führt ohne große Hindernisse hinauf in die Berge oberhalb von Foligno, es geht über eher gutgängige Straßen und jedes Mal, wenn der Schwierigkeitsgrad ansteigt, spornt Cesare,der Präsident des Motorradclubs die Teilnehmer an mit den Worten: „Los, wir machen’s fürZuk! Vorwärts!“ Wenn ich diese Worte höre, geht es mir jedes Mal an die Substanz… ich bekomme immer eine Gänsehaut, wenn an eine Person und ihre große Leidenschaft erinnert wird. Und so passiert die Enduro-Karavane die grasbewachsenen Pässe und Bergsättel der zentralen Apenninen, teilweise teilen wir den Weg mit der Classic-Enduro-Gruppe oder wir kreuzen ihn, welcher wiederum in einigen Abschnitten derselbe ist wie der Adventouring.
Gemeinsam erreichen wir den Ort des Unfalls, wo wir auch die Teilnehmer der Straßen-Tour treffen. Hier finden wir bereits ein Kreuz vor, das die Freunde der letzten Editionen dort aufgestellt haben. Von den ersten Metern an haben uns die Freunde von Zuk zu verstehen gegeben, dass dies heute ein Fest werden soll und nicht eine Trauer-Prozession, daher ist die Stimmung nie betrübt, auch nicht an diesem Ort. Trotzdem sieht man in den Augen des einenoder anderen die unvermeidliche Rührung, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick, aber nach einem abschließenden Applaus brechen wir wieder auf: Das Fest für Maurizio muss weitergehen. Zum Mittagessen werden wir vom Agriturismo „Locanda Salimbeni” bewirtet, dessen Eigentümer in den 70er Jahre ein recht erfolgreicher Rennfahrer war. In einem Raum ist ein kleines Privatmuseum mit seinen Motorrädern eingerichtet, ein echter Motorradfreak, der uns auch bei Tisch an nichts fehlen lässt: die Teller gefüllt mit leckerem Essen, die dazu verführen, den Nachmittag eher ausgestreckt auf der Wiese zu verbringen als auf dem Moppedsitz, um die letzten 100 Kilometer nach Bevagna zurückzulegen.
Bis wir auf dem Rückweg den Asphalt erreichen, ist das Gelände beeindruckend, es gibt Augenblicke, da wünschte ich von der nächtlichen Dunkelheit überrascht zu werden undträume davon, ein Zelt unter den Sternen aufzuschlagen. Wer weiß, eines Tages vielleicht…

Sonntag
Aus einer der Schubladen meines Gedächtnis kristallisiert sich deutlich ein Bild heraus: Das Hochglanzbild auf der Doppelseite einer Zeitschrift, das ein Motorrad mit Roadbook inmitten einer Wiese mit gelben Blumen darstellt, mit Bergen im Hintergrund und der Bildunterschrift „Die vielfältige Landschaft Umbriens eignet sich hervorragend für Motorrad-Rallyes – schadenur, dass die Fahrer keine Zeit haben, die Landschaft zu genießen“. Fünfzehn Jahren nachdem ich dieses Bild aus der Zeitschrift herausgerissen und an die Wand meines Zimmers gepinnt habe, habe ich es nun völlig verstanden.
Die für Sonntag geplante Tour ist kürzer, so dass alle Teilnehmer, auch die von auswärts, danach nach Hause fahren können. Es sind gerade mal 140 Kilometer, von denen ich aber nicht einen Zentimeter ändern würde! Der MC Pepe Bevagna hat eine Big-Enduro-Strecke vorbereitet, welche den Routen der Motorradrallys der 90er und 00er folgt: eine Rundstreckezwischen Bevagna und Valle del Nera, die mir so gefallen hat, dass ich am liebsten so viele Runden gedreht hätte, bis ich die Reifen abgefahren hätte!
Eine keineswegs banale Strecke, für die man Übung im Geländefahren braucht und die durch weite, schneller zu fahrenden Abschnitte mit herrlichen Aussichten ausgeglichen wird.
Es geht in die Höhe, dann durch Wälder wieder hinunter. Gipfel werden auf geraden, senkrechten Straßen erklommen aber ich fahre auch quer zum Hang, wie am Berg aufgehängt, dann wieder hoch, lange Schotterwege entlang, voller Kehren, bei denen die Kurven einfach mit Vollgas genommen werden müssen! Es ist September, aber unterm Helm erreichen mich die Düfte zahlreicher Blumen. Kurz gesagt: Die Strecke lohnt sich für Gashebel, Auge und Geruchssinn!
Beim Big Enduro macht sich der Asphalt heute rar, ich schätze es sind weniger als 10%. Wer dagegen die Tour auf Straße gewählt hat, hat Norcia und Castelluccio erreicht, Gegenden die leider vom Erdbeben heimgesucht worden sind, aber für Teilnehmer, die das Tal Val Nerinaund die Hochebenen der Apenninen noch nicht kannten, beeindruckend sind.
Wir treffen uns alle im Restaurant, wo wir wie immer in dieser Gegend von neuem verwöhnt werden mit Crostini, Aufschnitt, Nudeln mit Trüffel, gegrilltem Fleisch und Wein!

Zum guten Schluss…
Nach der Queen Trophy, ist das die zweite von MC Pepe Bevagna organisierte Veranstaltung bzw. Rallye, an der ich teilnehme. Die ZukMania ist erneut ein Beweis dafür, dass der Club die Veranstaltungen gut organisiert, mit viel echtem Gelände in atemberaubenden Landschaften. Auch wenn am Start keine Fotografen und aufblasbare Startbögen zu finden sind, für einen „mickrigen“ Teilnehmerbeitrag kehrt man voller tiefgehender Eindrücke nach Hause zurück.
Wenn ihr euch also für echtes Adventouring begeistert, euch aber Moden und Glamour egal sind und ihr vielleicht nicht gerade ein halbes Gehalt für eine Zweitagestour ausgeben wollt, kommt einfach mal vorbei, Umbrien will entdeckt werden!

Bekleidung
Für die ZukMania konnten wir während eines eher anspruchsvolleren Abschnitts im Gelände die Kombi Yaguara von Alpinestars ausprobieren. Yaguara ist eine Dreijahreszeiten-Touringjacke, die auch das Off-Road keineswegs verschmäht; sie ist CE-gekennzeichnet und mit Tech-Air kompatibel.

Text und Fotos: Dario Lupini

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