Dual Di 15 Mai 2018

1. GRAND TOUR SARDINIEN

Ich war auf der 1. Grand Tour Sardinien dabei, als Sozia auf einer Africa Twin Adventure Sport DCT.
Die Tour wurde von Antonello Chiara und Renato Zocchi organisiert und startete von zwei Ausgangspunkten: Rom und Mailand. Wir sind von Rom aus gestartet.
Unsere Reise beginnt um 8 Uhr 30 beim Honda-Händler HMR in Rom. Wir werden mit einem Frühstücksbuffet empfangen und nach und nach treffen alle Teilnehmer ein. Am Ende sind wir zu sechst und ich bin nicht nur die einzige Sozia sondern auch die einzige Frau. Wir stellen fest, dass der größere Teil der Gruppe von Mailand abfährt (ca. 50 Personen, darunter auch Frauen). Nach den üblichen Ritualen, wie gegenseitiges Vorstellen, Gruppenfotos, Aushändigen der Teilnehmernummern für die Motorräder und einiger Werbegeschenke beginnt unsere Fahrt auf gemischter Strecke, teils Asphalt, teils Gelände bis zum Hafen von Livorno. Dabei folgen wir den Tracks, die wir bei der Anmeldung erhalten haben.
Nach einigen Kilometern schlagen wir uns bereits ins Gelände und hier beginnt auch so manches Problem für die Beifahrerin. Die Schotterpiste ist voller Furchen und Schlaglöcher, die ich immer erst im letzten Moment sehen kann, aber ich habe meinen persönlichen akustischen Melder der mir jedes Mal über Interphone „Achtung!“ zubrüllt. Das bedeutet für mich dann so viel wie „halt dich gut fest“. Manchmal ist die Falle unsichtbar und… „Rumms!“ Der erste ungedämpfte Schlag für den Rücken. Für einige Sekunden bleibt mir die Luft weg, aber alles in Ordnung, ich bin noch ganz. Wir fahren weiter und machen zu meiner Erleichterung gegen 12 Uhr Halt für das Mittagessen. Die Organisatoren haben dafür in einem Agriturismo (in Italien landwirtschaftlicher Betrieb mit Gastronomie, Anm. d. Ü.) inmitten der Hügellandschaft reserviert, gegenüber befindet sich eine verfallene aber reizende Kirche. Nach dem Essen brechen wir wieder auf und es geht weiter auf unbefestigten Straßen: Kurven, Schlaglöcher, Hänge, Steigungen und hier bekomme ich den zweiten Knacks, Schuld ist ein Schlagloch: Der Schlag ist so heftig, dass mein Nacken dran glauben muss und darunter werde ich noch bis zum nächsten Morgen leiden. Wir kommen von den Bergen aus nach Follonica, von wo aus man das Meer und den kleinen Hafen sehen kann. Sobald wir das Meer erblicken, entschließen wir uns, vom Motorrad zu steigen und den Moment im Bild zu verewigen.

Wir setzen die Fahrt zum Ortszentrum fort, wo wir uns mit einem Eis stärken und die Frau und die Zwillinge von Mauro, einem aus der Gruppe aus Follonica, kennenlernen.
Da es schon spät ist und die Müdigkeit sich bemerkbar macht, geht es von hier auf Asphaltstraßen weiter, was wir nicht bereuen denn das Panorama ist atemberaubend. Erst auf dem letzten Stück fahren wir auf die Autobahn, da wir dort besser vorankommen und so rechtzeitig zum Boarding ankommen.
Als wir den Hafen erreichen, treffen wir auf die Gruppe aus Mailand. In aller Schnelle werden nur ein paar Sätze gewechselt, denn es ist bereits 20 Uhr und die Fähre wartet schon.
Um 8 Uhr früh am nächsten Tag kommen wir in Sardinien in Golfo Aranci an.
Wir gehen von Bord und versammeln uns alle für eine kurze Einweisung mit den Organisatoren auf einem nahegelegenen Platz. Antonello und Renato erinnern uns an die Verhaltensregeln, die zu befolgen sind, und Giulio, der die Etappen vorbereitet hat, erklärt uns die Abschnitte auf der Straße und die gemischten On-off-Strecken, inklusive der kritischen Stellen. Am Ende laden wir die Taschen der Motorräder in einen Transporter, der uns zum Übernachtungsort vorausfährt. Erste Etappe: Golfo Aranci – Alghero.
Wie während des Briefings erklärt, wird gestaffelt gestartet aber es geht erst los, nachdem einer der Organisatoren vorbeigekommen ist, um sich die Nummer des Motorrads und die gewählte Strecke (Straße oder On-Off-Road) zu notieren. Trotz der anfänglichen Ermahnungen gibt es Teilnehmer, die ohne Bescheid zu geben starten und somit ein Risiko eingehen.
Wir sind in der Gruppe mit Fabrizio, der wie wir die gemischte On-Off-Strecke gewählt hat. Die Etappe sieht 70% asphaltierte und 30% unbefestigte Straße vor, letztere wird als die technisch anspruchsvollste der 4 Etappen der Tour beschrieben. Der Ausblick ist fantastisch, alles blüht und ist bunt, der Duft von Ginster erfüllt die Luft und ich bin von dem allen ganz hin und weg.
Nach ein bisschen Asphalt beginnt das Offroad mit einer Steigung auf Schotter voller Kehren und tiefer Rinnen und Löcher, wo Fabrizio uns überholt. Nur etwas später, in einer Spitzkehre finden wir ihn vor unseren Füßen – oder besser vor unserem Vorderrad – wieder, zusammen mit einem anderen Teilnehmer. Der Sturz ist die Folge von übertriebener Höflichkeit – „ich mach langsam, um dich vorbeizulassen“ – „nein, ich warte, dann kannst du vorbei“ – dazu kommt die Schräge, der Kies, das verlangsamte Fahren und das nicht unerhebliche Gewicht der Motorräder. Wir helfen ihnen, die Maschinen wieder aufzurichten und fahren wieder ab. Nebenbei gesagt: Es ist unser Glück, dass wir mit Fabrizio fahren und nicht alleine, denn aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen verschwindet immer mal wieder der Track von unserem GPS-Gerät.
Steigungen wechseln sich ab mit steilen Abfahrten, Flussfurten mit spektakulären Aussichten.
„Mein Chauffeur“ Pietro ist beim Fahren sicher und entspannt, auch wenn er mich hinter sich hat, was beim Offroadfahren nicht ohne ist: Eine Sozia macht den Unterschied.

Ich bin zwar gelassen aber alles andere als entspannt: Ich klemme auf dem Sattel wie ein Affe auf dem Schleifstein, an den hinteren Gepäckträger geklammert. Selbstredend halte ich mich mit beiden Händen fest – und wenn ich mehr als zwei hätte, würde ich die auch noch benutzen. Mit den Füßen stemme ich mich vor allem wenn es bergab geht wie ein störrischer Esel auf die Stützen, um nicht noch vorne zu rutschen und die Fahrt nicht noch mehr zu beeinträchtigen.
Ich versuche, relativ entspannt zu bleiben um Schläge und Sprünge abzufangen aber das Kauern, Festklammern und Stemmen helfen dabei absolut nicht, im Gegenteil; am Abend habe ich Schmerzen in den Schultern, einen verspannten Rücken und die Knie sind total kaputt.
Aus Schaden wird man klug und Frau erst recht, daher ändere ich in den nächsten Tagen meine Haltung: krumm wie Quasimodo, um den Rücken nicht so steif zu halten, den Hals nach vorne gestreckt wie ein Schildkröte und den Kopf immer nach links gedreht, wie eine Schleiereule, so dass der Schirm meines Helms nicht gegen Pietros Helm stößt.
Ungefähr auf halber Strecke halten wir zum Mittagessen an der Meeresküste an, wo die Tour-Organisatoren Partyzelte mit Tischen und Bänken aufstellen lassen haben. Das kulinarische Angebot kann sich sehen lassen: Austern und gebratener Fisch.
Gegen 17 Uhr kommen wir an unserem Ziel an, wozu wir einen prächtigen am Meer gelegenen Pinienhain durchqueren, der vom Hotel Corte Rosada di Alghero als Parkplatz genutzt wird – ein wunderbarer Zufluchtsort für meinen geschundenen Körper.
Als ich vom Motorrad steige, sehe ich aus wie der Blechmann aus dem Zauberer von Oz, so hölzern und mit steifen Knien, und als ich zur Treppe gelange, verwandele ich mich in ein gealtertes Faultier: Ich habe wohl gut zehn Minuten gebraucht, um die Treppe zu erklimmen.
Vor dem abendlichen Briefing und dem Abendessen besichtigen wir Alghero, das sich als kleines Juwel herausstellt.
Die Etappe des folgenden Tages Alghero-Arbatax ist die längste. Abfahrt soll um 9 Uhr sein. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund finden wir auf unserem GPS-Gerät die Tagesetappe nicht – upps – daher bitten wir einen anderen Fahrer, sie uns wireless zu laden. Es ist Zeit aufzubrechen und die Installation ist erst bei 50% angekommen. Daher schließen wir uns – zur Freude meiner geschundenen Gliedmaßen – heute erst einmal der Gruppe für die Straßentour an. Der Himmel ist bedeckt, ab und an dringt die Sonne durch, die Temperatur ist fürs Motorradfahren perfekt aber was sich mir am meisten einprägt, ist das wunderschöne Panorama, das sich entlang der die Küste nachzeichnenden Straße bietet.
Die Sonne scheint als wir um circa 14 Uhr am Ufer eines künstlichen Sees ankommen, wo das Mittagessen auf uns wartet. Heute gibt es regionaltypisches Fleisch und Kuchen. In der Zwischenzeit schaffen wir es, uns den ganzen Track herunterzuladen und beim erneuten Start sind wir für die Geländefahrt bereit. Die Strecke geht an einem Abgrund lang über eine verlassene Straße, die teilweise von Gestrüpp zugewuchert und nur stellenweise durch Leitplanken geschützt ist. Dann verwandelt sie sich in einen mit Ziegenherden gespickten Pfad, die an den Hängen und mitten auf dem Weg weiden. Als Sozia liebe ich diese Art Geländefahrt, denn der Boden ist zwar holprig, aber nicht so wie am Vortag.
Wir kommen beim Hotel Club Saraceno in Arbatax an und parken die Motorräder. Ein Golfwagen bringt uns bis zum Hotel, das nur ein kleines Stück weiter weg, am Ufer des Meers in einer Bucht liegt. Wir können sogar eine Delphingruppe erblicken, die nur wenige Armlängen von der Küste entfernt spielt.
Während der Absprache vor dem Abendessen wird uns mitgeteilt, dass am darauffolgenden Tag das Wetter nicht sehr freundlich sein wird, für den gesamten Tag ist Regen vorausgesagt. Wer will, kann auf der Bundesstraße direkt nach Golfo Aranci durchfahren, ohne die ausgearbeiteten Strecken zu fahren.
Da ich keine geeignete Kleidung habe, fahre ich in einem der Autos der Organisatoren bis zum Golfo Aranci mit. Die Tatsache, dass der Regen auch für die Rückfahrt von Livorno nach Hause vorgesehen ist, ist ein Grund mehr für die Entscheidung. Zu mir gesellen sich ein junger Mann und eine Frau, die in der gleichen Lage sind. Pietro dagegen ist einer von den wenigen wagemutigen, die sich noch für die Geländefahrt entscheiden, endlich kann er von seinem „Ballast“ befreit fahren.
Aufgrund der Situation haben sich die Organisatoren um ein Hotel in Golfo Aranci gekümmert, wo wir uns beim Warten auf das für 20 Uhr vorgesehene Boarding die Zeit vertreiben.
Um 7 Uhr des nächsten Morgens kommen wir bei strömendem Regen in Livorno an. Wie bereits erwähnt, ist meine Schlechtwetterkleidung nicht vollständig und ich muss mir aus einem Müllsack gebastelte „Stiefel“ überzuziehen, damit nicht die Füße und Unterschenkel platschnass werden.

Und so geht mein Abenteuer seinem Ende zu.
Kurz und gut: Für die Off-Road-Sozia ist die Beanspruchung der Gelenke und Knorpel nicht ohne, weil sie die Straße nicht immer sehen kann und auch nicht die Abstützmöglichkeiten zum Abfangen der Schläge hat wie der Fahrer.
Aber ich muss sagen, mit ein bisschen Erfahrung und mit einigen Kniffen und Tricks für die Haltung ist es gar nicht so schlecht, als Kartoffelsack auf den Soziussitz geladen zu werden!
Und nebenbei gesagt: ich würde es noch einmal so machen… auch wenn ich davon überzeugt bin, ein Stück kleiner geworden zu sein - ich bin eh‘ schon nicht groß…. Vielleicht kann ich mich diesen Sommer als Gartenzwerg nützlich machen!
Danke sagen möchte ich Gian claudio, Mauro, Fabrizio, Matteo, Fulvia und Luca für den vielen Spaß und das viele Lachen, das die Tour ausgezeichnet hat.

Text: Sabrina G. Arnold
Fotos und Videos: Sabrina Arnold und Gianclaudio Aiossa

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