Dual Di 11 Dezember 2018

15 Tipps für Langstreckenreisen

1  Nimm dir Zeit: Zeit ist nicht nur das wichtigste Gepäckstück, das du dabei hast, sondern entscheidet auch maßgeblich über die Fülle an Erfahrungen, die du machen wirst. Die Zeit ist nicht nur eine Maßeinheit für den Streckenplan ein, sondern bestimmt auch deine Haltung im Falle von unvorhersehbaren Ereignissen, neuen Bekanntschaften und Programmwechseln. Ich würde dir raten, die Planung einer langen Reise, für die du sechs Monate Zeit hast, so zu gestalten, als wenn du sie in 4 Monaten machen müsstest und die übriggebliebene Zeit wie „Erspartes“ auf die Seite zu legen, um diese Bonustage dann zu verteilen wie es dir gerade gefällt. Wenn du dagegen die Reise vorbereitest ohne Wochen oder gar Monate für Unvorhersehbares einzuplanen, könnte es sehr schwierig und stressig werden, den Zeitplan einzuhalten. Schon eine einfache Reifenpanne am falschen Tag, am falschen Ort kann Tage um Tage Verspätung bedeuten, ganz zu schweigen von den möglichen Problemen mit Reisepapieren, Grenzen oder Krankheiten. 

2   Bereite noch vor dem Motorrad Geist und Körper vor: Allgemein ist die Vorstellung verbreitet, dass man für eine Weltreise oder andere lange Reisen mit dem eigenen Motorrad, am meisten Zeit der Wahl der Maschine und deren Vorbereitung widmen sollte. Für eine Reise, die dich an den Rand der Zivilisation und der bekannten Welt bringen könnte, ist es sicherlich gut und ratsam, ein Gefährt zu haben, das auf alles vorbereitet und gut ausgerüstet ist. Vergiss aber nicht, dass das Motorrad in 80% der Zeit nichts anderes braucht als Benzin, um vorwärts zu kommen, während du physische und vor allem psychische Energie brauchst um kontinuierlich Gas geben zu können… und nicht dass ihr denkt, dass ihr euch auch mit einem Gläschen frischem Benzin aus der Affäre ziehen könntet. Euer Verstand führt während der langen Strecken Tänze unterm Helm auf, hin- und hergerissen zwischen Ängsten, Gedanken, Erinnerungen, Sorgen und Freuden. Wie ihr den Personen begegnet und mit welcher Energie ihr den nächsten Tag angeht, hängt davon ab, wie ihr vom Motorrad steigt, den Helm abnehmt und alle diese Informationen abbaut.
3   Glaub daran und lass nicht locker: Auf langen Reisen, wenn du alleine unterwegs bist, weit entfernt von zu Hause und oft auch von menschlicher Wärme, kann es leicht passieren, dass du dich an einem Tag wie ein junger Gott und unbesiegbar fühlst und am nächsten verloren, ohne Energie und ohne auch nur die geringste Idee, was du hier eigentlich machst. Du tadelst dich selbst und es scheint dir, falsche Entscheidungen getroffen zu haben. Genau deswegen ist es das Beste, sich psychisch auch auf solche Eventualitäten vorzubereiten, zu versuchen, die Motivation immer hochzuhalten und sich Tagesziele zu setzen, kleine „Aufgaben“, die Tag für Tag machbar sind. Was mich angeht, so wasche ich zum Beispiel an schlechten Tagen das Motorrad und gönne mir ein gutes Mittagessen und wenn beides nicht möglich ist, mache ich die Kamera an und rede mit mir selbst.
4   Folge deinem eigenen Stil bei der Wahl des Motorrads und seiner Vorbereitung: DAS perfekte Motorrad, DIE Reisemaschine gibt es nicht, und es kann nie genügend Motorräder geben, um alle Globetrotter und solche, die es werden wollen, zufriedenzustellen. Daher müssen wir sorgfältig auswählen, was am besten zu unserem Stil passt und uns nicht zu sehr beeinflussen lassen von dem, was andere, erfahrene Reisende machen, denn diese haben sicherlich einen anderen Stil als wir. Denkt außerdem daran, dass das Motorrad auf einer solchen Reise nur ein Fortbewegungsmittel ist (in intimen Momenten auch schon mal Geliebte, Schatz, Mopped… genannt) und alles, was diesen Aspekt nicht betrifft (meiner Ansicht sind das mehr als 70%) liegt in eurer Hand.
5   Lasse dich inspirieren: Nur wenige sind absolute „Selfmade-Traveller“, fast alle haben wir uns durch jemanden inspirieren lassen, der vor uns unterwegs war – sei es auf dem Motorrad, zu Fuß, mit dem Flugzeug oder wie auch immer. Ich persönlich hatte Gionata Nencini als Vorbild, der mir Augen und Kopf für etwas geöffnet hat, das ich andernfalls wahrscheinlich nie oder zu spät entdeckt hätte. Lies, mach dich schlau und lass dich mitreißen, es ist nichts Schlechtes, sich anregen zu lassen und dir so viele Erfahrungen wie möglich von jemandem anzueignen, den du für eine interessante und seelenverwandte Person hältst.

6   Bleib aufgeschlossen: Auf der Reise kann es leicht passieren, dass man sich in sich verschließt. Man macht den Kopf dicht, vielleicht für einen Tag oder auch einen Monate, und ich brauche euch sicher nicht zu erklären, dass das ein „Erfahrungs-Killer“ ist. In Ländern Asiens und des Mittleren Ostens wie auch in vielen anderen wirst du mit Realitäten konfrontiert, die sich von deiner total unterscheiden, wo Frauen ein anderer Wert zugesprochen wird, das Leben nur wenige Cents wert ist und wo Religion über Menschlichkeit steht. Urteile nicht zu schnell und falls dich der Kulturschock abschrecken sollte, falls du denken solltest, „nein, das ist zu viel für mich, das schaffe ich nicht“, dann versteck dich nicht hinter deinen vorgefassten Ideen und Vorurteilen, um stur mit Scheuklappen geradeaus zu steuern. Ich kann dir versichern, dass du wenn du Mut fasst und zu verstehen versuchst, wie du dich am besten mit dieser Kultur vertraut machen kannst, bereichert wirst, mit Dingen, die du als Erfahrung für das Leben verbuchen kannst. Und vergiss nie, dass es deine Entscheidung war und niemand dich dazu gezwungen hat, daher ist es immer gut im Hinterkopf zu behalten, welche Ziele und Motivationen dich bis zu diesem Punkt gebracht haben.
7   Plane so wenig wie möglich: Als ich meine Reise begann, plante ich normalerweise jede einzelne Strecke, bis feststellte, dass ich so viel genervter und unentspannter reiste und vor allem zu große Erwartungen hatte, die oft enttäuscht wurden. Wenn man krampfhaft mit einem engmaschigen Plan reist, ist es sehr schwierig, eine Reifenpanne oder einen anderen Schaden zu akzeptieren, ihr lasst euch stressen und verschwendet unnötig Energie. Ein Rat könnte sein, am Anfang der Woche die Etappe des Wochenendes zu planen und somit zu entscheiden, wo man in 7 Tagen sein will. So ist alles entspannter und einfacher zu organisieren. Dieser Artikel von mir könnte dich interessieren, schau einmal hinein. (https://www.discoveryendual.com/deu/posts/view/100)
8   Lerne etwas von der Sprache: Wenn man in ein neues Land kommt, gehört es zum guten Ton, ein paar Grundbegriffe der Lokalsprache zu lernen. Das macht die Begegnungen mit den ersten Einheimischen auch angenehmer und oft lustig. Ein Scherz über die falsche Aussprache oder ein paar nur so zum Spaß gesagte romantische Sätze schaffen von Anfang an eine gute Atmosphäre und einen guten Eindruck von dem Land und geben euch vor allem die Möglichkeit, leichter verstanden zu werden. Dies ist die Liste der Sätze, die ich immer versuche zu lernen, wenn ich in ein neues Land komme: Ja, nein, hallo, Entschuldigung, wieviel kostet…?, wo ist…?, Benzin, ist der Platz sicher (für das Parken der Maschine auf der Straße)?
9  Vertrauen: Den Menschen trauen und ja sagen, ist etwas, dass du schwerlich bereuen wirst. Nach meiner Reise in der Islamischen Republik Iran hat dieser Grundsatz den zentralen Platz in meiner Reisephilosophie. Den Menschen trauen hilft dir nicht nur, langsam aber sicher deine Vorurteile und vorgeprägten Ansichten abzubauen, sondern schenkt dir auch einzigartige Erfahrungen und Erlebnisse. Als Land fällt mir dazu wirklich der Iran ein, wo es unbedingt dazugehört, den Leuten zu trauen. Andernfalls wäre der Schatz an Erlebnissen und Eindrücken sehr viel beschränkter als der, den wir machen und mitnehmen konnten, da wir Vertrauen gewagt haben. In asiatischen Ländern passiert es dir oft, dass viele Menschen oft mit sehr zweifelhaftem Erscheinungsbild dich und dein Motorrad umringen. In 99% der Fälle wollen sie nur reden und dir heißen Tee anbieten und manchmal sogar ein Quartier für die Nacht: Habt Mut zum Vertrauen! Der Tee ist nicht vergiftet und das Haus ist nicht mit bösartigen Fallen gespickt wie im Horrorstreifen „Saw“.
10   Iss einheimisches Essen: Eine der besten Methoden, schnell mit der neuen Kultur warm zu werden ist, die dort übliche Kost zu essen – euer Gaumen wird es euch danken! Bettinelli zum Beispiel hatte die Angewohnheit, sobald er in ein neues Land fuhr, als erstes das stärkste alkoholische für die Region typische Getränk zu trinken.
11  Couchsurfing: Für die, die es nicht kennen: Couchsurfing ist eine App, mit der du Reisende bei dir zu Hause einquartieren und im Gegenzug auch bei anderen zu Hause unterkommen kannst. Couchsurfing ist wirklich eine riesige Plattform, mit Millionen von Mitgliedern, du brauchst nur ein Profil eröffnen und in dem Gebiet, das dich interessiert, bei den Gastgebern die Übernachtung anfragen. Das bietet einzigartige Vorteile für die Reise und einen leichten Zugang zum Herzen der Kultur und zum Alltag der Menschen. Eine Erleichterung, die im Nebeneffekt an einem wirklich enormen Thema arbeitet bzw. einen wichtigen Zweck erfüllt. Ich nutze Couchsurfing seit Beginn meiner Reise und ich habe nie Erfahrungen gemacht, die ich als negativ einordnen würde – im Gegenteil. Im engen Kontakt mit den Menschen zu leben ist wunderbar, mit ihnen den Alltag, das Essen und ihre Freunde zu teilen ist etwas, dass dich stolz und zufrieden über deine Erlebnisse macht. Im Iran zum Beispiel habe ich von 62 Tagen meines Aufenthaltes nur für zwei Nächte ein Hostel bezahlt, die andern 59 Nächte übernachtete ich via Couchsurfing. Habt keine Angst, traut euch und lest die Beurteilungen bevor ihr um eine Übernachtung bittet oder sie annehmt. Aber auch hier gilt die Regel „es gibt immer eine gute Person mehr als schlechte“.
12   Fahr langsam: Klingt wie der Rat von Muttern und was die Geschwindigkeit angeht, ist er sicher wichtig, aber an dieser Stelle geht es mir darum, mit den Tagesstrecken langsam zu machen. Natürlich fährt jeder auf seine Art aber was mich angeht, habe ich festgestellt, dass ich die Ruhe und Schönheit der besuchten Orte mehr genießen konnte, nachdem ich beschlossen hatte, nicht mehr als 300 km am Tag zu fahren – es sei denn es ist unbedingt nötig, oder man ist mitten in der Wüste. Denkt daran, dass man das Leben und die Geschichte eines Landes oft am besten in den kleinen Dörfern kennenlernen kann, weit weg von den chaotischen Großstädten, wo es schwierig ist, Menschen und Geschichten zu erleben, die sich sehr von unseren unterscheiden.
13   Wähle die unbefahrenen Wege: Dies ist sicher eine gute Methode, um das Tagespensum zu reduzieren und die versteckteren Seiten eines Landes besser kennenzulernen, sowohl, was die Kultur betrifft, als auch die Landschaft. Meidet die Autobahnen wie die Pest, es sei denn, die Gegend ist wirklich wie ausgestorben und ihr habt keine andere Wahl. Sie ist nicht nur belastender für deine Maschine, sondern auch für dich. Auf der Autobahn wird man leicht abgelenkt, das Reisen ist eintönig und du siehst nichts von deiner Umgebung.
14   Mach Fotos, genier dich nicht: Die Fotografie ist sicherlich wunderschön, wenn sie mit der Kunst des Reisens kombiniert wird und sie erlaubt Augenblicke eines einmaligen Erlebnisses zu erzählen und für die Nachwelt festzuhalten. In vielen Ländern findet ihr jedoch Situationen vor, die schwer zu fotografieren und auch zu verstehen sind. Nicht so sehr aus technischen Gründen, wie Licht usw. sondern aufgrund eurer Schüchternheit, eures Schamgefühls, eurer Erziehung. Geniert euch nicht, aber macht die Fotos auch nicht, um bei euren Freunden anzugeben, sondern um diesen Menschen, ihrer Geschichte und ihren Widersprüchlichkeiten eine Stimme zu geben. Indien war für mich ein unheimlich schwerer Testfall für das Fotografieren. Oft wurde ich mit Situationen auf dem Gipfel der menschliche Tragödie konfrontiert, unter amputierten und bettelarmen Kindern, in wunderschönen landschaftlichen Szenarien, die total zugemüllt waren. Fotografiert um zu erzählen und nicht um darüber herzuziehen.

15  Schütze dich und dein Motorrad durch eine Versicherung: „Verrückte Abenteurer schon, aber nicht dumm“. Bevor es auf die Reise geht, schließt eine internationale Krankenversicherung ab, die euch bei allen möglichen und unmöglichen Eventualitäten abdeckt, mit Rückführung ins Heimatland und Notaufnahme in Privatkliniken. Wenn ihr meint, dass es nötig ist, stattet euch auch mit einem Satellitenüberwachungsgerät aus, mit dem ihr ein Hilferuf oder Notsignal senden und aus den schlimmsten Notsituation gerettet werden könnt. Ich habe eine Multi-Risk-Versicherung der Europassistance abgeschlossen, die auch das Motorrad umfasst (für alle Länder der Welt mit Ausnahme von Afghanistan und ganz weniger anderer) und ein SPOT GEN Satellitengerät mitgenommen. Solltet ihr vorhaben, wirklich durch öde und verlassene Gegenden zu reisen, kann euch ein GPS-Ortungsgerät wirklich Leben retten. Stellt euch nur einen Sturz mit dem Bruch einer eurer Gliedmaßen mitten in der Wüste von Dasht-e Lut im Iran vor, wo das Thermometer im Sommer schon mal auf 60 Grad Celsius klettert. Wenn ihr noch dazu mit einer sehr teuren Ausrüstung unterwegs seid, wie z.B. dem Computer und der Fotoausrüstung ist es eine gute Idee, auch eine Diebstahlversicherung dafür abzuschließen. Zu diesem Thema findet ihr alle Details in diesem Artikel in meinem Blog erklärt. (link https://tastetheworld.blog/assicurazione-e-spot/ )

Text und Fotos: Carlo Di Todaro

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