Dual Di 26 Februar 2019

COUCHSURFING: WAS ES IST UND WARUM ICH NICHT MEHR OHNE LEBEN KANN

Es wird Zeit, dass ich einen Artikel über Couchsurfing – abgekürzt CS – schreibe, das habe ich schon lange vorgehabt, bzw., ich habe gewartet, bis ich genug Erfahrung gesammelt habe, um euch etwas erzählen zu können.
Ich schicke gleich vorweg, dass ich CS bisher nur auf Reisen praktiziert und noch niemanden bei mir zu Hause aufgenommen habe – schon allein, weil ich zurzeit keine Wohnung habe!
Falls jemand es nicht kennt: CS ist ein riesiges soziales Netzwerk, das 2003 das Licht der virtuellen Welt erblickte nach der Idee von Casey Fenton. Er hatte es anfangs als Non-Profit-Projekt gestartet, bei dem Personen sich begegnen können, die sich gegenseitig Gastfreundschaft gewähren wollen.

MIT CS IN DER GANZEN WELT UNTERWEGS
In Pakistan war ich zu Gast bei Sahid, einem sehr, sehr reichen Anwalt! Ich habe eine Woche zwischen Privatköchen, Chauffeuren und Abendessen in Golf-Club verbracht. Wer hätte mit so etwas gerechnet?!?
Es ist die Gastfreundschaft der Menschen, die mir am Ende des Tages auch tausende von Kilometern weg ein Gefühl von „Zuhause“ gibt; sie ist es, die mich ein bisschen weniger wie ein Ausländer fühlen lässt, als ich es eigentlich bin und schließlich ist sie es auch, die meine Erinnerungen an jedes Land, durch das ich komme, mit immer neuen Anekdoten bereichert.
Gastfreundschaft ist Kultur, Religion, Brauch, Sitte, ist sich verbunden fühlen und sich kennen, oft ist sie Rettung und Schutz, sie schwächt Ängste und Vorurteile ab.
Gastfreundschaft ist ein großes Wort und hat viele Bedeutungen, sie ist ein sehr subjektives Konzept und gleichzeitig unverzichtbar auf allen meinen Reisen.
Mit CS könnt ihr euch kopfüber in dieses Konzept stürzen, sowohl als Gast als auch als Gastgeber. CS erlaubt euch, Personen zu finden, die bereit sind, euch auf euren Reisen ein Bett zur Verfügung zu stellen, ein Sofa oder einen einfachen Teppich und ein Kissen und umgekehrt einem Reisenden zu helfen, sich etwas bei euch auszuruhen, ein bisschen zu reden und etwas zu essen.
Das Einzige was ihr dazu braucht, ist ein mit Informationen gut bestücktes Profil, ein paar Fotos und schon habt ihr alles, was ihr zum „Surfen“ braucht.

MEINE ERFAHRUNG
Nach 11 Monaten alleine unterwegs auf dem Sitz meines Motorrads habe ich es sehr viel in Anspruch genommen. Ich habe in der Türkei angefangen und danach nicht wieder aufgehört. Auch heute, während ich diesen Artikel schreibe, bin ich zu Gast bei Nino, einem in Kuala Lumpur lebenden Philippiner. Wir sind 10 Reisende bei ihm zu Hause und fühlen uns immer mehr wie eine kleine große Familie. Mit CS habe ich unheimlich viel Geld gespart, wunderbare Menschen kennengelernt, Freundschaften geschlossen, die ich nie vergessen werde, viel über die lokalen Kulturen gelernt, weit weg von den Touristen gelegene Orte gesehen, die nur die Einheimischen kennen, typisches Essen ausprobiert, gelernt Gast zu sein, um Platz zu bitten und diesen gleichzeitig zu teilen.
Ich habe auch eine ordentliche Portion Negativerfahrungen gemacht, die trotz allem immer zur Stärkung meines Charakters beitrugen und trotzdem gefiel es mir immer noch, diese Plattform zu nutzen… Wieso? Weil es klar ist, dass nichts immer gut gehen kann, vor allem, wenn es darum geht, die Wohnungen gleichsam Unbekannter zu betreten. Es ist eine Plattform, die eine gute Dosis Vertrauen in die Menschheit erfordert und ein starkes Verantwortungsbewusstsein. Sagen wir, dass im Gegensatz zum Übernachten im Hotel der Verstand benutzt werden muss. Oft, wenn ich von der langen Fahrt müde und fertig war oder wenn ich hartnäckig dran festhielt, nicht für teure Unterkünfte zu zahlen, habe ich zu schnell und leichtfertig die „Gastfreundschaft“ von Personen akzeptiert, die gar nicht zu mir passten. Alle diese Erfahrungen haben sich dann in lustige Reiseanekdoten gewandelt, die ich nie vergessen möchte.

WIE FUNKTIONIERT CS?
Das Konzept ist sehr einfach und basiert ganz auf der Gastfreundschaft und dem Willen, überall auf der Welt Leute kennenzulernen und etwas zu erleben. Wird es auf der Reise praktiziert, ist es eine optimale Methode, wirklich viel Geld zu sparen.   
Zuerst einmal legt man ein Profil an, gibt Interessen an, was man gerne macht, die Lieblingsmusik und so weiter, dann lädt man einige Fotos hoch (wichtig!). Wenn man Reisende aufnehmen will, muss man einige Informationen über die Wohnung und die Unterbringung liefern.
Hat man das erledigt, bleibt einem nur zu entscheiden, wen man aufnimmt oder bei wem man zu Gast sein will, und man kann dementsprechend Unterkünfte oder Reisende vom jeweiligen Ort suchen, um Gast oder Gastgeber zu werden.
Gast kann man werden, indem man entweder die Personen einzeln anschreibt (höchstens zehn pro Woche), die sich aus der Suche (nach Ort, Stadt oder Land) ergeben. Dabei sollte man genau aussuchen, welche einen am meisten interessieren. Oder, dazu rate ich eher, du startest eine „öffentliche Anfrage“, d.h. du schreibst allgemein, dass du dich in dieser Stadt befindest und einen Platz zum Schlafen suchst. Dann ist es an den Gastgebern, die in einem dafür gedachten Bereich der Seite deine öffentliche Anfrage sehen können, nach ihren Vorlieben zu entscheiden, ob sie dich aufnehmen wollen oder nicht. Auf diese Art gibt es keine Begrenzung auf 10 „Vorstellungen“ in der Woche und man erreicht ein breiteres Publikum als wenn man einzelne Kontakte anschreibt – jedoch auf Kosten der eigenen Präferenzen.

HANGOUT
CS ist als eine wirkliche Reise-App entstanden und wenn man sie in allen ihren Dimensionen ausnutzt, versteht man schnell warum.
Ob du alleine, zu zweit oder in der Gruppe reist, CS hat immer das Richtige für dich, indem es dir immer ermöglicht, mühelos Kontakt mit Reisenden aus aller Welt aufzunehmen.
So bietet CS neben der Möglichkeit, Gäste aufzunehmen oder Gast zu sein auch die „Hangouts“ zwischen den Mitgliedern.
Jeden Tag kannst du in deinem Profil eine andere Art von Hangout einstellen, zum Beispiel: „ich habe Lust auf ein Bier und Essen“, „ich habe Lust, auf einen Stadtbummel mit Musumsbesuch“ usw. Wird der dann aktiviert, ist es für alle Mitglieder und Reisenden in der Gegend sichtbar, die dann akzeptieren können, mit dir ein Bier zu trinken oder zusammen ins Museum zu gehen und so weiter.
Ich persönlich habe damit meine Sylvesterfeier in Thailand gerettet. Ich war seit ein paar Tagen aus Londen zurückgekehrt und hatte einen richtig fiesen Jetlag, noch dazu arbeitete mein Gastgeber die ganze Nacht. Alleine in der Wohnung habe ich einen Hangout aktiviert und innerhalb weniger Minuten war ich von anderen Reisenden mit Essen und Bier umgeben!

EVENTS
CS stellt dir auch die „Events“ zur Verfügung, die an deinem Ort stattfinden, und so die Möglichkeiten und die Horizonte, die diese App dir ermöglicht, erheblich erweitern.
Die Events können sowohl von Gastgebern, als auch von Reisenden angelegt werden und sind für alle sichtbar. Einige Beispiele: „Poolparty mit Grillen, hast du Lust?”, „Wöchentlicher Biertreff im Pub…”, „Präsentations-Dinner“, „Ausflug nach…“, „Stadttour mit Parks und Museen“ usw.
Ihr braucht nur noch auszusuchen, was euch am meisten interessiert und euch als Teilnehmer zu melden.

GRUPPEN
Auf CS könnt ihr sogar Arbeitsangebote finden! Wenn ihr auf den Bereich „Gruppen“ geht, könnt ihr unheimlich viele Aktivitäten finden, die in eurer Gegend oder über die Welt verteilt zur Verfügung stehen. Die Suche in den Gruppen funktioniert mit Schlüsselbegriffen, ihr braucht also nur eingeben, was euch am meisten interessiert, z.B. „ehrenamtliche Gruppen“, „Gruppe Arbeitgeber in …“, „Workaway“ usw. Sie funktionieren wie die Facebook-Gruppen, jeder kann ein Angebot oder eine Anfrage posten.
Ich liebe CS, ich werde auf meiner jetzigen Reise und auch auf den zukünftigen nie aufhören, es zu benutzen. Für mich ist das eine leistungsfähige Anwendung, ein Weg (keine Abkürzung), der mir Zugang zu den Herzen und zum Alltag der Leute und der Kulturen, zu denen sie gehören, ermöglicht. Es ist eine App, die simpel erscheint, in der aber einige der größten Werte und Bedeutungen des „Reisens“ in geballter Kraft stecken: das Teilen und Mitteilen, das Eintauchen in die Kultur des Landes, in dem du Gast bist, das Leben und Erleben, wie ein Volk seinen Tag und jeden Augenblick lebt, der gegenseitige Austausch von Informationen und Kenntnissen.

ZAHLEN FÜR CS?
Auch ohne zu zahlen funktioniert die Plattform super. Wenn man aber das grüne Häkchen haben möchte, muss man entweder einmalig 50 Euro zahlen oder aktives Mitglied sein und sowohl Gäste unterbringen als auch selber “surfen”. “Verifiziert” zu sein, erlaubt auch, Übernachtungen anzufragen, ohne auf 10 pro Woche beschränkt zu werden.
Ich habe noch kein verifiziertes Profil, da ich noch niemanden zu Hause aufgenommen habe.
Mama, solltest du jemanden bei uns zu Hause übernachten lassen wollen, gib mir bitte Bescheid, dann kriege ich das grüne Häkchen!!!

MEIN SCHÖNSTES ERLEBNIS
Aber kommen wir doch zu den Geschehnissen und Erfahrungen, die mir in diesen 11 Monaten meiner Alleinreise bei CS untergekommen sind.
Ich begann CS in der Türkei zu benutzen, einem Land, von dem ich wirklich wenig wusste und das nicht gerade klein ist. Ich entschloss es auszuprobieren, anfangs war ich nicht sicher, wie sich die Erfahrung als Surfer gestalten würde, wie ich mich benehmen musste und ob mein erster Gastgeber einen positiven Eindruck von dieser Übernachtungsart bei mir hinterlassen würde.
Ich schicke sofort voraus, dass man das, was man auf CS findet, auch gut ohne Socials bekommen kann, wie oft bin ich von Menschen aufgenommen worden, die ich das erste Mal auf der Straße getroffen habe und die mich dann zu sich nach Hause eingeladen haben.
Wie schon gesagt ist CS ein „Weg” und darf nicht zur Abkürzung werden, um die Reise „authentischer” zu machen oder die lokale Kultur hautnah erleben zu können, indem alles letztendlich in einen Mechanismus gewandelt wird, bei dem alles für selbstverständlich genommen wird. Das gute alte romantische Zusammentreffen am Straßenrand, in einer Bar oder in anderen Situationen wird meiner Meinung nach immer authentischer und intensiver sein, ist aber auch seltener.
Nachdem ich zwei Tage mit meinem ersten Host in Izmir verbracht habe und mit dem Erlebten zufrieden war, beschloss ich, mein CS-Profil anzureichern, Fotos und Informationen hinzuzufügen und es in den kommenden Monaten so viel wie möglich zu benutzen.

IRAN
Der Iran ist mit Sicherheit das Land, in dem man sich CS nicht entgehen lassen darf; es ist auf jeden Fall zu benutzen, auch wenn ihr es oft gar nicht brauchen werdet… Im Iran schließt man Bekanntschaften wie in der guten alten Zeit am Straßenrand.
Trotzdem kann ich mich auch gut daran erinnern, wie ich noch in der Türkei entschied, eine öffentliche Reise auf meinem Profil anzulegen, wozu ich mitteilte, dass ich in Bälde in den Iran kommen würde und dann von Nord nach Süd reisen und alle wichtigen Städte des Landes durchqueren würde. Am nächsten Tag hatte ich das Profil mit mehr als 30 Angeboten für die Übernachtung von Gastgebern aus dem ganzen Land voll.
Einige Angebote schienen sich sogar fast Konkurrenz zu machen; sie wissen hier sehr gut, dass CS im Iran von vielen benutzt wird. Um die Aufmerksamkeit des Touristen zu gewinnen, posten sie daher Botschaften wie „komm zu mir, ich biete dir eine Tour mit dem Quad an, meine Mutter ist die beste Köchin des Landes, ich habe eine Matratze (Rarität im Iran, dort wird auf Teppichen geschlafen) und die anderen nicht…“ usw.
In Iran ist CS toll, die Menschen hungern nach Kultur, wollen dich kennenlernen und wollen, dass du sie kennenlernst, dir ihre Kultur nahebringen und sie dir bis ins kleinste Detail erklären, sie wollen, dass du gut isst und dich an die schönsten Orte begleiten.
Wenn sie sehen, dass einige Ausländer ihre durch die Massenmedien geschürten Ängste überwinden und beschließen in ihr Land zu kommen, werden sie euphorisch. Es ist dann ihre Aufgabe dir zu beweisen, dass alles, was du vorher über den Iran wusstest, nicht abwegiger hätte sein können, und sie werden glücklich sein, wenn du nach und nach deine Meinung änderst.
In diesem Land habe ich tatsächlich die schönste Erfahrung gemacht, und ich werde nie meinen Freund Ahmad aus Zahedan, der letzten Stadt vor der Grenze zu Pakistan, vergessen.
Ich war in seinem wunderschönen Haus ca. 2 Wochen während der letzten Tage des islamischen Ramadan zu Gast. Genau dort war es, wo ich mich mit den Problemen wegen meines abgelaufenen Pakistan-Visums herumschlagen musste (ich musste mit dem Zug nach Teheran zurückkehren). Mit ihm lernte ich die großen Unterschiede zwischen Nord- und Südiran, die Region Belutschistan, die Geschichten über Pakistan und die Taliban kennen – die Wahrheiten, die dir niemand erzählt, aber die dort, mit den eigenen Augen gesehen fast unbemerkt ans Licht kommen.
Er brachte mich in seinem großen Wohnzimmer unter, das mit wunderschönen persischen Teppichen gepflastert war, ohne jegliches Möbelstück oder Dekoration, nur ein kleiner Fernseher stand ausgeschaltet auf einem Glastisch.
Jeden Morgen wachte ich gegen 5-6 Uhr morgens auf, um mit ihm zu frühstücken bevor die Sonne aufging (nach den Ramadan-Regeln). Zusammen sind wir zu einigen Feiern und Gebeten gegangen und jedes Mal, wenn ich etwas brauchte, setzte er alles darauf an, es mir zu besorgen. Er kaufte mir eine pakistanische SIM-Card und bezahlte mir das Zugticket nach Teheran. Jeden Tag kochte seine Frau mir herrschaftliche Mittags- und Abendmähler und ihre kleine Tochter Ayeh hatte so viel Spaß beim Versteckspiel mit mir. Zusammen gingen wir am letzten Tag des Ramadans zum Eid-al-Fitr-Gebet. Ich war wie ein typischer Belutsche angezogen, so dass ich nicht alle 5 Minuten von superneugierigen Einheimischen umringt wurde, die wissen wollten, woher ich komme und warum ich in Zahedan bin.
Welch ein Erlebnis! Ich fiel in der Moschee überhaupt nicht auf, so dass ich mich fast wie einer von ihnen fühlte. Die Menschen grüßten mich in Farsi-Pashtu, ich antwortete in der gleichen Sprache und niemand merkte etwas! Eine wirklich totales Eintauchen – unvergesslich!

Dies war mit Sicherheit die schönste Erfahrung, die ich jemals mit CS gemacht habe. (Ahmad hatte übrigens gar nicht CS, aber ich lernte ihn über einen anderen auf CS gemeldeten Typen, Alhi Arab, kennen, der ihn kannte).
Hier kommt mein Artikel über CouchSurfing zu seinem Ende. Ich hoffe, in euch die Lust geweckt zu haben es auszuprobieren oder, falls ihr es eh schon benutzt, es auch weiterhin zu tun!

Wie bereits erwähnt, findet ihr unten den Link zu meinem Profil, wo ihr einige Referenzen von Leuten, die mich beherbergt haben, lesen könnt. Und vergesst nicht, mir eine Freundschaftsanfrage zu schicken!

https://www.couchsurfing.com/people/cookintreavel

Text und Fotos: Carlo Di Todaro - Taste the world

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