Dual Di 12 September 2017

Mongolei 2016: 25.000 km – einmal nach Zentralasien und zurück

Ein Traum wird wahr: noch einmal nach Kasachstan fahren, um meine kasachischen Freunde zu besuchen, über die Seidenstraße und den Pamir Highway fahren, die mongolische Steppe durchqueren und über die unendlichen Weiten Sibiriens wieder nach Hause zurückkehren

EINLEITUNG
Zwei glückliche Umstände, Reiselust und genug Zeit, haben es uns ermöglicht, ein neues Abenteuer mit unseren Motorrädern zu planen, das uns in 65 Tagen nach Zentralasien, genauer gesagt in die Mongolei, führte, wobei wir teilweise der Seidenstraße folgten, auf der einst schon Marco Polo reiste. Viele Monate lang haben wir gemeinsam mit unserem Freund Marco diese Reise geplant, um nach Kasachstan zurückzukehren, wo ich mehr als 8 Jahre lang gearbeitete habe, und anschließend in die Mongolei weiterzufahren, um dann über Sibirien und Russland wieder nach Italien zurückzukehren. Ein anderer Freund, Claudio, der ebenfalls an den Planungen beteiligt war, hat sich mit großer Begeisterung unserer Gruppe angeschlossen, wenngleich er aus beruflichen Gründen gezwungen war, seine Reise auf Almaty in Kasachstan zu beschränken. In der Mongolei sind schließlich unsere Ehefrauen Paolo und Adriana zu uns gestoßen, die uns bis nach Ulan Bator begleitet haben.

Verwendete Motorräder:
KTM 990 Adventure (2011) - Africa Twin RD03 (1989) - Africa Twin CRF 1000L - (2016)

Abreise in Italien am 15. Mai – Rückkehr nach Italien am 18. Juli 2016
HINFAHRT: BRESCIA - ULAN BATOR - 15091 KM - 44 TAGE
RÜCKFAHRT: ULAN BATOR - BRESCIA - 9849 KM - 21 TAGE

15. MAI – 22. MAI: VON BRESCIA NACH AQSAI (KASACHSTAN): 4235 KM
Unsere Reise begann im Regen, der uns die ersten 5 Tage bei beinahe winterlichen Temperaturen in Polen und der Ukraine begleiten sollte. Innerhalb von 8 Tagen durchquerten wir Slowenien, Ungarn, die Ukraine und Russland bis nach Kasachstan. Dennoch hatten wir Gelegenheit, uns Ljubljana, Budapest, Lemberg und Kiew anzuschauen. In Aqsai wurde uns ein herzlicher Empfang bereitet, wo meine Ex-Kollegen für unsere Ankunft eine Feier organisiert hatten. Glücklicherweise war das Problem mit der Dichtung am Abgaskrümmer meiner KTM in Kiew behoben worden.

23. MAI – 1. JUNI: VON AQSAI (KASACHSTAN) NACH DUSCHANBE (TADSCHIKISTAN): 3196 KM
Es wurde immer wärmer, je mehr wir uns dem Kaspischen Meer näherten, und schließlich drückend heiß, als wir nach Usbekistan hineinfuhren. In Kasachstan erwarteten uns katastrophale Straßenverhältnisse und Polizisten im Hinterhalt, die uns das Geld abknöpften. Dafür entschädigten uns die usbekischen Städte entlang der Seidenstraße: Xiva, Buchara und Samarkand haben uns mit ihrer schieren Schönheit verzaubert. Die Usbeken sind ein sehr sympathisches Volk. Leider hatten wir ein paar Probleme aufgrund des Mangels an Benzin und seiner schlechten Qualität.

2. JUNI – 11. JUNI: VON DUSCHANBE (TADSCHIKISTAN) NACH ALMATY (KASACHSTAN): 3100 KM
Der womöglich schönste Abschnitt der Reise. Unsere Route führte uns auf dem Pamir Highway bis nach Kirgistan und von dort nach Kasachstan. Dabei gab es viele anspruchsvolle Strecken mit Schotterwegen, aber gleichzeitig atemberaubende Panoramablicke über das Wakhan-Tal, wo der Fluss Panj die Grenze zum Nachbarland Afghanistan markiert. Die Menschen hier sind sehr arm, aber auch sehr herzlich. Leider hatten wir reichlich Pech mit Reifenpannen. Das Essen und die Unterkünfte waren akzeptabel. Die Etappen mit unseren Motorrädern waren anstrengend, aber auch lohnend. Kirgistan hat uns mit seiner Schönheit überrascht, überall saftiges Grün und unzählige Tiere auf den Weiden. Im Hintergrund Berge von über 7000 Metern Höhe. In Bischkek haben wir einige meiner Ex-Kollegen getroffen, die mit dem Toyota FJ Cruiser unterwegs waren, und mit denen wir zwei Tage verbrachten, in denen wir uns auf den Offroadstrecken nahe des Karakol-Sees vergnügten. In Almaty haben wir dann Geländereifen auf unsere Motorräder aufgezogen.

12. JUNI – 17. JUNI: VON ALMATY(KASACHSTAN) NACH ÖLGII (MONGOLEI): 2642 KM
Nachdem wir uns von Claudio verabschiedet hatten, der nach Italien zurückkehren musste und sein Motorrad mit dem Flugzeug zurückschicken ließ, fuhren wir durch den heißen Osten Kasachstans und überquerten in Barnaul die russische Grenze. Dann ging es weiter Richtung Süden und nachdem wir das Altaigebirge mit seinen grünen Hängen und imposanten Flüssen überquert hatten, erreichten wir von Osten her die Mongolei mit ihrer Provinzhauptstadt Ölgii, wo am nächsten Tag unsere Ehefrauen Paola und Adriana mit dem Flugzeug eintrafen. An der Africa Twin von Marco gab es Probleme mit dem Steuergerät, doch glücklicherweise wurde uns aus Italien ein neues zugeschickt.

18. JUNI – 27. JUNI: VON ÖLGII NACH ULAN BATOR (MONGOLEI): 1918 KM
Angeführt vom Geländekleinbus eines Anbieters, der uns auch unsere Schlaflager organisiert hat, haben wir in 8 Tagen die saftig grünen Weiten der Mongolei auf malerischen Straßen aus gestampfter Erde durchquert, die jedoch nie ein Problem darstellten und mit dem Motorrad angenehm zu befahren waren. Einige Nächte haben wir im Zelt geschlafen, ein paar auch in einer charakteristischen Jurte (mongolisch: Ger). Während unserer Fahrt wurden wir von unzähligen Weidetieren begleitet. Unterwegs haben wir Kloster und den Vulkan Khorgo besichtigt. Ulan Bator hingegen war eineEnttäuschung.

28. JUNI – 7. JULI: VON ULAN BATOR (MONGOLEI) NACH AQSAI (KASACHSTAN): 5790 KM
Nachdem wir uns von Adriana und Paolo verabschiedet hatten, ließen wir die Mongolei hinter uns und fuhren über Irkutsk am Baikalsee nach Sibirien hinein: Doch obwohl wir viele Stunden auf dem Motorrad verbrachten und jeden Tag etliche Kilometer durch Sibirien zurücklegen mussten, wurde es nie langweilig. Die russischen Straßen sind in hervorragendem Zustand und der Verkehr erträglich.Über Orenburg fuhren wir dann wieder nach Kasachstan und legten erneut einen Zwischenstopp in Aqsai ein, wo meine Ex-Kollegen es auch diesmal nicht an Gastfreundlichkeit fehlen ließen. Nach einem Öl- und Reifenwechsel ging es weiter.

8. JULI – 18. JULI: VON AQSAI (KASACHSTAN) NACH BRESCIA: 4059 KM
Damit begann der Endspurt Richtung Brescia, auch wenn wir aufgrund von unregelmäßigem Verschleiß des Kettenrads meiner ADV 990 zwei Tage in Saratow feststeckten, um auf die Ersatzteile zu warten. Laut Reiseplan hätten wir über den Kaukasus und den Balkan nach Italien zurückfahren sollen, aber durch die Sperrung der Verbindungsstraße zwischen Russland und Georgien waren wir gezwungen, von Norden über die Ukraine zu fahren. Dies stellte sich als Glück im Unglück heraus, da wir uns sonst in Istanbul befunden hätten just in jenen Tagen, da der Putschversuch stattfand. Stattdessen sind wir also durch die Ukraine und Polen gefahren und haben einen Zwischenstopp in Auschwitz eingelegt, ehe wir über Österreich nach Italien zurückkehrten.

FAZIT NACH 25.000 KM AUF DEM MOTORRAD QUER DURCH ZENTRALASIEN

Unsere Reise in Zahlen:

  • Km insgesamt: 24.940, davon auf der Piste: 1800.
  • Reisetage insgesamt: 65, davon auf dem Motorrad: 52.
  • Ruhetage: 13.
  • Durchschnittlich zurückgelegte Strecke pro Tag: 489 km.
  • Benzinverbrauch: 1460 l.

Es gibt viele Momente, die wir erlebt haben, Menschen, denen wir begegnet sind und Orte, die wir gesehen haben, die unvergesslich sind. Aber einige verdienen eine besondere Erwähnung:
Meine Reisegefährten
Marco und Claudio waren wunderbare Reisegefährten, mit denen ich bereits viele Touren auf dem Motorrad und auf Skiern unternommen habe und auch diesmal hat sich unsere Freundschaft insbesondere in nicht alltäglichen Situationen bewährt. Marco hat uns bei jeglichen Motorradproblemen mit seiner Expertise und Kompetenz geholfen und selbst in schwierigen Situationen stets die Ruhe bewahrt, musste aber seinerseits in bestimmten Momenten die morgendliche Hektik seiner beiden Reisegefährten ertragen. Claudio, für den es die erste große Reise war, hat mit seiner großen Begeisterung und Neugier zum Team beigetragen und uns hervorragende Restaurants und Sehenswürdigkeiten empfohlen. Aus beruflichen Gründen hat er nicht die gesamte Reise mit uns absolvieren können, aber es werden sich bestimmt noch Gelegenheiten für ihn ergeben.
Unsere Ehefrauen: Adriana, Paola und Anna.
Unsere Frauen haben geduldig zuerst unsere langen Reisevorbereitungen und dann unsere lange Abwesenheit ertragen. Paola und Adriana haben uns zudem bei der Fahrt durch die Mongolei begleitet, was ihnen aus verschiedenen Gründen eine hohe Anpassungsfähigkeit abverlangte. Kompliment.
Meine Freunde in Aqsay
Bei unserer Ankunft wurden wir mit großer Gastfreundschaft und Herzlichkeit empfangen. Dieser warme, freundschaftliche Empfang sowie die gemeinsamen Momente in Aqsai gehören zu den schönsten Erinnerungen dieser Reise. Allen voran die effiziente, unermüdliche und stets fröhliche Mirkamal. Sie hat viel Zeit und Mühe investiert, um ein Fest für unsere Ankunft vorzubereiten und uns während unseres Aufenthalts in Aqsay zu helfen. Unvergesslich der Ausflug zum Salzsee, wo sie ein leckeres Picknick veranstaltet hat. Nicht zu vergessen auch der unaufhaltsame und impulsive Rustem. Unser Ausflug an den Yssykköl-See mit dem von ihm organisierten FJ Cruise Crazy Team war ein überaus unterhaltsames Erlebnis, bei dem wir viele nette Leute kennengelernt haben.
Das Team von Blue Wolfe
Das Team hat uns während unserer Fahrt quer durch die Mongolei begleitet und sich größte Mühe gegeben, auch in schwierigen Situationen unsere Reise zu organisieren. Janka als tüchtige Köchin hat uns jeden Tag auch mit einfachsten Mitteln leckere mongolische Gerichte zubereitet.
Alex von Yamaha Saratow
Es war ganz wesentlich sein Verdienst, dass wir ein Problem an meinem Motorrad beheben konnten, sodass wir nicht liegengeblieben sind. Alex hat sich als äußerst hilfsbereit und zuverlässig erwiesen.
Unsere Mechaniker für die Reise
Riky, Sergey, Dimitry, Serik: Wir haben sie auf verschiedenen Etappen der Reise getroffen, wo sie uns kompetent und freundlich geholfen haben, verschiedene technische Probleme zu beheben und unsere Motorräder zu warten. Ein Dank auch an sie.
Unsere kasachischen Freunde
Freundschaft und Gastfreundschaft werden bei Aibar, Almas, Yertay, Yerzhan und Aibek groß geschrieben. Durch sie konnten wir einen tieferen Einblick in das Leben der Menschen in Kasachstan gewinnen und einen Besuch in einem Banja, einem traditionellen Dampfbad, erleben.
Andere Globetrotter auf Motorrädern
Wir haben viele mutige, allein reisende Motorradfahrer getroffen, die ohne jede Eile die Welt umrunden, mit wenig Mitteln, aber viel Abenteuerlust. Diese Begegnungen haben bei uns ein Gefühl großer Bewunderung und ein klein wenig Neid hinterlassen.
Die Kinder vom Pamir
Überaus sympathische Kinder, stets mit einem Lächeln auf den Lippen, die sofort angerannt kamen, um uns zu sehen, zu begrüßen und mit uns abzuklatschen. Und ganz ohne Scheu auf unsere Motorräderkletterten. Hier in den Bergen gibt es viele Kinder, selbst in den entlegensten Dörfern, die zwar ärmlich gekleidet, aber voller Leben sind. Wunderschöne Begegnungen.
Orte, die mich während unserer 65-tägigen Reise nachhaltig beeindruckt haben, gab es viele.
Europäische Orte
Budapest, Ljubljana, Krakau, Kiew, Graz. Allesamt schöne Städte voller Leben und mit vielGeschichte. Wir hatten zwar nicht viel Zeit, um sie zu besichtigen, aber uns sind schöne Bilder in Erinnerung geblieben.
Usbekische Städte entlang der Seidenstraße
Xiva, Buchara und Samarkand. Wunderschöne, faszinierende Städte, deren Medressen von einer langen, bewegten Geschichte zeugen. Eine echte Entdeckung, ich muss unbedingt wiederkommen.
Das Pamir-Gebirge
Bei unserer Fahrt über den Pamir Highway und durch das Wakhan-Tal überraschte uns diese Region mit ihren reißenden Flüssen, schneebedeckten Bergen von 7000 m Höhe und Gebirgspässen in über 4000 m Höhe. Kleine Dörfer, wo das Leben beschwerlich ist, und die Menschen dennoch immer ein Lächeln übrig haben. Mit Sicherheit die schönsten Panoramablicke der Reise.
Die mongolische Steppe
Endlose, grenzenlose Weiten, in denen überall Tiere weiden und Nomaden in völliger Freiheit leben, die das Vieh halten und pflegen. Überall sattes Grün, ein einfaches, aber kein leichtes Leben. Fragt sich nur, wie lange noch? Der Fortschritt hält langsam Einzug.
Sibirien
Sibirien lässt sich in einem Wort beschreiben: gigantisch. Tausende von Kilometer nichts als Wälder und Seen. Und dennoch ist diese Landschaft alles andere als langweilig, eher ein wenig mystisch. Beeindruckend auch die Flüsse, die das Land durchqueren, und an deren Ufern große Städte liegen, voller Leben und bildschöner Frauen.
Die kasachische Steppe
Manche mögen es monoton finden, aber mich fasziniert der Himmel, der sich über das weite Landwölbt. Sofort kann man sich lebhaft vorstellen, wie einst die Horden Dschingis Khans durch die Steppe ritten.
Auschwitz
Ein Ort der Erinnerung, ein Ort der Trauer, den man eigentlich nur schweigend besuchen kann. Diesen Besuch werden wir nie vergessen.
Es gab allerdings auch einige Aspekte der Reise, die uns weniger gefallen haben.
Die Grenzübertritte
Insgesamt haben wir 18 Grenzen überquert, davon 13 mit Zollkontrollen. Manche davon waren langwierig, bis zu 5 Stunden lang, umständlich, mit unzähligen unverständlichen Formularen, die es auszufüllen galt, und unhöflichen Grenzbeamten. Es hat uns bisweilen viel Geduld und Selbstbeherrschung gekostet, um unbeschadet weiterzuziehen. In einem Europa ohne Grenzen anzukommen war insofern ein befreiender Moment. Hoffen wir, dass es so bleibt.
Die kasachische Polizei
Die kasachische Polizei arbeitet mit allen Tricks und stellt Fallen, um Motorradfahrern und Autofahrern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Uns haben sie drei Mal erwischt. Keine angenehmen Begegnungen. Aber die Kasachen, die wir kennen, sind ganz anders.
Die Straßen in Zentralasien sind ziemlich heruntergekommen und die zahlreichen Schlaglöcher haben unsere Reifen schwer auf die Probe gestellt. Dadurch hatten wir viele Reifenpannen, aber zum Glück gibt es überall Reifenhändler. Das Zauberwort lautet: шиномонтаж
Die Mongolen
Die Mongolen sind ein wenig aufdringlich, was uns nicht gefallen hat, und lächeln wenig. Vielleicht ist das einfach ihre Mentalität.
Die Toiletten unterwegs
Sobald man Europa verlässt, ist der Hygienezustand der Toiletten entlang der Straße fast überall miserabel. In der Regel gibt es einfach ein Loch in der Erde und drumherum klapprigeHolzkonstruktionen. In der Mongolei sehen selbst in Hotels oder in Jurten-Zeltlagern die Toiletten so aus. Da braucht es schon ein hohes Anpassungsvermögen und einen unerschütterlichen Magen.
Die sibirischen Mücken
Millionen von Mücken überall, die sich auf einen stürzen. Das Einzige, was da hilft, ist, lange Kleidung tragen und viel Autan benutzen.

Text und Fotos von Giacomo Tognoli

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