Dual Mi 08 August 2018

Queen Trophy...Schach der Königin

Umbrien gefällt mir. Punkt.
Ich fühle mich dieser Region aus einer ganzen Reihe von Gründen sehr verbunden und bin der Meinung, dass alle ihre kulinarischen Spezialitäten genießen und ihre historischen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten kennenlernen sollten. Eine Region, in der die kunstvoll konstruierten, kleinen, festungsartigen Dörfer, die Borghi, sich mit der Natur der Wälder, der Flüsse und der Berge mischen, eine Region, deren Bevölkerungsdichte im Vergleich zu vielen anderen lächerlich anmutet und deren mehr oder weniger unwegsames Straßennetz sie seit Jahren zu einem der Orte schlechthin für Motorrad-Rallyes und ähnliche Veranstaltungen macht.
Eines von diesen Borghi ist Bevagna, das geografisch gesehen fast den Nabel Italiens bildet. Bevagna ist für seinen historischen Ortskern berühmt, in dem im Juni das spektakuläre Mittelalterfestival „Mercato delle Gaite” stattfindet, ein Ereignis mit so großer Anziehungskraft, dass es sogar von einem Starfotografen mit Weltruf wie McCurry verewigt wurde. Neben den „Gaite” ist Bevagna aber auch die Heimat des Motorradclubs PepeBevagna, der mit seiner offenherzigen und familiären Atmosphäre so ist, wie es sich jeder von uns für seine Leidenschaft wünschen würde.
Dieses Jahr will Cesare, Vorsitzender des Clubs und ein extrovertierter Typ, das Projekt „Queen Trophy” starten, das er so definiert: „Eine Spazierfahrt für Zweizylinder, welche die Teilnehmer auf den faszinierenden Wegen dieses Teils Italiens zur Entdeckung der in den Wäldern liegenden Borghi bringt.” Cesare hat genaue Vorstellungen, er plant keine klassische Rundfahrt. Seine Idee geht weit darüber hinaus und reicht in die Zukunft: Jedes Jahr führt die „Queen Trophy” auf eine neue Strecke von A nach B ohne Rückkehr zum Ausgangspunkt. Im darauffolgenden Jahr geht es dann von B aus wieder los in eine andere Richtung. Die Etappen werden nicht wiederholt, sondern ermöglichen im Laufe der Jahre, alle Teile der Region kennenzulernen.

Die Tour findet am Sonntag statt, aber bereits für Sonnabend haben die Organisatoren für alle, die vorher eintreffen, eine kleine Off-Road-Tour oder wahlweise eine Weinkeller- und Ölmühlen-Tour mit anschließendem üppigem Abendessen im historischen Zentrum geplant. Alles ist bis ins kleinste durchorganisiert, dank eines familiären aber effizienten „Planungsapparats“. Jederzeit ist man bereit, den Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und sie sowohl als Touristen als auch als Motorradfahrer zu verwöhnen. Die Tour sieht dieses Jahr den Start im historischen Zentrum von Bevagna vor und das Ziel in Vallo di Nera, in 230 km Entfernung. Sonntagmorgen ist also Treffen um 7 Uhr angesagt, die frühe Stunde wurde extra so gewählt, dass alle in der Lage sind, die Tour ohne Eile zu Ende zu bringen. Der Tag ist wunderschön und der Weg lässt ziemlich schnell die Ebene hinter sich, um die Höhen der wilden umbrischen Landschaft zu erklimmen. Wir kommen durch entlegene Borghi und fragen uns, wie die Menschen in den Häusern dort leben und wie die Dörfer, so weit vom Rest der Welt entfernt und so schlecht zu erreichen, überleben können.
Es ist der Zauber dieses Teils der Apenninen, der so fleißige und schweigsame Menschen hervorbringt, die in ihrem Land verwurzelt und mit den weißen Kalkfelsen fest verbunden sind, aus denen seit Generationen ihre Behausungen gebaut werden. Da ich in der Nähe wohne, bin ich im Großen und Ganzen diese Dinge gewöhnt aber unter den Teilnehmern höre ich die Dialekte der Lombardei, der Emilia, des Veneto… ich kann mir das Erstaunen dieser Personen, die aus stark urbanisierten Regionen kommen, beim Durchfahren von Dörfern wie Montecchio, Castagnacupa oder Montebibico vorstellen.  
Die Strecke geht bergab in Richtung Süden und der zweite Teil verläuft im Val Nerina in der Provinz Terni. Die letzten 50 Kilometer sind klasse, alles im Gelände, auf Hochebenen und Hügeln, von denen aus der Ausblick einzigartig ist. Die Sibillinischen Berge liegen zu meiner Rechten, den Monte Bettore schein ich mit der Hand berühren zu können, so nah und imposant wirkt seine Silhouette auf mich.
Die Fahrt bergab nach Vallo di Nera ist endlos lang und wunderschön. Inzwischen haben wir eine beträchtliche Kilometerzahl hinter uns und unter den Teilnehmern macht sich die Müdigkeit bemerkbar. Als wir beim x-ten faszinierend schönen Dorf aus blendend weißem Kalkstein ankommen, kann uns nichts davon abhalten, ein leckeres Brötchen mit Porchetta-Aufschnitt und ein Glas Wein unter dem Zielbogen zu genießen!

Die “Queen Trophy” verdient einen festen Platz im Kalender. Wir sehen uns im nächsten Jahr in Vallo di Nera zum Start wieder; ich kann’s kaum erwarten zu erfahren, wo Cesare uns dann hinführen wird!

Text: Dario Lupini

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