Dual Di 09 Januar 2018

REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE

Könnt ihr euch die Entstehung der Erde vorstellen? Diese glühende Kugel, die gerade frisch „aus dem Ofen kommt“, abkühlt und die unregelmäßige von Rauch und Schwefeldampf umhüllte Oberfläche wie ein düsteres Anzeichen einer bevorstehenden Explosion erscheint? Versucht euch diese Ur-Stille vorzustellen, die nur vom Wind durchschnitten wird, der den vulkanischen Sand aufwirbelt und ihn dir ins Gesicht peitscht, als wollte er deine Haut abschmirgeln.
Island ist alles dieses: ein Foto das heute festhält, wie unser Planet zu den Zeiten der Dinosaurier gewesen sein muss – bloß ohne Dinosaurier, was nicht unerheblich ist, wenn man mit dem Motorrad unterwegs ist!
“Wie kann man solch eine Zeitreise auf dem Motorrad nicht antreten?”
Genau mit dieser Frage hat sich ein Virus in meinem Kopf eingenistet und über fünf Jahre bin ich ihm eher mit Ausreden als mit Antworten begegnet. Bis zu diesem Sommer, als ich die Ausreden sein lassen und mir die Antwort gegeben habe, indem ich den Kompass auf Reykjavik ausgerichtet habe!
Ich muss sofort etwas gestehen: Ich weiß, der Motorradreisende ist sein eigener Reiseführer, organisiert alles bis ins kleinste Detail und ist einer der wenigen Touristen, der die Reise bereits sechs Monate vor der Abfahrt, mit der Auswahl der Strecken, der Pisten und der Planung der Logistik beginnt.
Ich kann euch schwören, dass ich alle diese Dinge gemacht hatte… Ich habe die Strecken studiert, bin in Gedanken die Ausrüstung durchgegangen und habe alles was ich brauche, aufgelistet, aber aus Gründen, die mit dem Mietmotorrad zusammenhängen, habe ich mich zu einer organisierten Reise in einer Gruppe entschieden. Das war wahrscheinlich eine der besten Entscheidungen, die ich treffen konnte. Alleine zu fahren hätte meiner Reise dieses romantische Abenteuergefühl verliehen, aber ich hätte meine Gefährten nicht kennengelernt, die zu den schönsten Erfahrungen zählen, die ich vom 66. Breitengrad nach Hause mitgebracht habe.
Wir sind zu sechst, Marco, Egidio und Riccardo lerne ich in Malpensa kennen, Anton und Alex treffen wir direkt im Hotel in Reykjavik. Die vorhandenen Motorräder sind genauso faszinierend wie vielfältig, ich bin der einzige, der eine Maschine vor Ort gemietet hat, da ich zu Hause nur eine reine Enduro habe. Die anderen haben sich dem von der Organisation ISLANDAINMOTO gebotenen Motorrad-Transportservice anvertraut. Ich fahre eine BMW GS800, Marco eine BMW GS1200, Egidio eine KTM 950 Adventure, Riccardo eine BMW R100, Anton eine brandneue AfricaTwin und Alex (unser Führer) eine KTM 690. Wie ihr sofort versteht, haben wir in dieser Gruppe keine Vorurteile: Europa und Japan, Traktionskontrolle und Vergaser! Die gleiche Vielfalt gab es bei den Reifen. Metzeler Karoo 3, Heidenau Scout, Mitas für Gelände und Straße 50/50 (nicht wirklich geeignet für diese Art zu reisen), Pirelli Scorpion Rally und Anlas CapraX (welche alle durch ihre Qualität und Dauer in Erstaunen versetzt haben, eine richtige Überraschung!)
 

TAG 1, 2 und 3
Etappe 1 Reykjavik – Geysir 250 km Asphalt + 60 km gut befahrbare Piste (Piste 501)
Etappe 2 Geysir – Reykir 30 km Asphalt +200 km Schotterpiste (Piste 35, F734)
Etappe 3 Reykir – Modalodur 340 km Asphalt entlang der Rundstraße Ring Road (Straße 1)

Während der ersten drei Tage machen wir uns mit Island und seinen Wüsten vertraut und beginnen zu begreifen was uns erwartet. Wir genießen die Schönheiten des Golden Circle in der Nähe von Reykjavik, der am meisten touristisch erschlossenen Gegend, die mit ihren Schönheiten die gerade gelandeten Touristen einstimmt.
Wir erreichen den Langjokull-Gletscher um dann in Richtung Thingvellir zu fahren, zum Sitz des ersten Parlaments der Welt, dem Althing von 930 n. Chr. Hier erkennt man deutlich die beiden tektonischen Platten, die amerikanische rechts und die europäische links, die allein von einem kleinen Flüsschen getrennt sind. Von Thingvellir fahren wir weiter nach Gulfoss, einem der beeindruckendsten und bekanntesten Wasserfälle Islands, wo das Getöse des Wassers sich mit der Magie der Regenbogen paart und dann zum Geysir, wo man den häufigen und regelmäßigen Ausbrüchen des Strokkur beiwohnen kann, dem berühmtesten Geysir Islands.
Die Reise bringt uns durch Wüsten und auf Asphalt nach Akureyri der zweitgrößten Stadt Islands, die auf gut 25.000 Einwohner kommt (ja genau, fünfundzwanzigtausend!). Kaffeetrinken, ein Kurzbesuch des Stadtzentrums und es geht wieder los, diesmal zum See Mývatn, mit seinen Thermalquellen und den kochend heißen Schlammpfützen und dann zum wunderschönen Wasserfall der Götter Godafoss!
Auch wenn wir uns gerade erst kennengelernt haben, merkt man doch von Anfang an, dass die Gruppe zusammenpasst. Den schönsten Anblick bietet Riccardo, der noch nie echte Geländefahrten gemacht hat, aber mit seiner BMW R100 Jahrgang ’91 die Wüste total genießt. Er lacht permanent, wenn du nah an ihm vorbeikommst, siehst du, dass er unter dem Visier auf ansteckende Weise lacht … ihm lacht „sogar der Allerwerteste“ wie er selber sagt und du kannst nicht anders als mitlachen!

TAG 4
Modulardur – Vulkan Askja – Modulardur 200 km Piste mit Sand, Kies und Bächen (Piste F905, F910)

Um nach Askja zu gelangen, durchquert man eine Wüste, in der über hunderte von Kilometern kein Lokal zu finden ist, sowas gibt es seit mindestens einem Jahrhundert in keinem anderen Teil Europas mehr. Die Piste verläuft geschmeidig durch Flächen mit festgestampftem Boden, Steinen und gewaltigen Weiten von schwarzem Vulkansand, die sich mit Bächen kristallklaren Wassers abwechseln, die mit Sorgfalt und Geschicklichkeit zu überqueren sind, um verheerende Stürze zu vermeiden, welche die Maschinen und damit wahrscheinlich auch die Ferien ruinieren würden.
Die Pisten F905 und F910 führen uns auf den Krater des Vulkans mit einem Durchmesser von 50 km. Unter dem Helm habe ich feuchte Augen und ich entdecke, dass es das Stendhal-Syndrom nicht nur für Kunstwerke gibt, sondern auch für die Natur, wenn sie ein vollendetes Kunstwerk ist!
Die echte Wüste! Die Mondlandschaft ändert sich, bleibt aber ihrem Prinzip treu: „Das Auge des Südeuropäers, der nichts Schönes gewöhnt ist zu verblüffen.“ Die Vulkanfelsen sind extrem leicht und scheinen aufgrund der im Guss eingeschlossenen Luft aus Styropor zu sein. Durch die Oxidation der in der Lava enthaltenen Metalle sind sie rot, gelb oder lila. Wenn Riccardo heute in Schwierigkeiten kam, hat er sein Herz in beide Hände genommen und ist die Etappe mit Unterstützung der ganzen Gruppe, die jeden Tag eingespielter ist, bis zum Ende gefahren. Heute Abend in der heimelig warmen Unterkunft ist er die Glückseligkeit in Person und fühlt sich rundum zufrieden, aber in seinem Kopf reift eine unschöne Idee…
WAS FÜR EIN TAG!    

TAG 5 und 6
Tag 5: Modulardur – Höfn 320 km Asphalt (Straße 1 und 96)
Tag 6: Hofn - Kirkjubaejarklaustur 200 km Asphalt (Straße 1)

Der fünfte Tag ist der einzige Regentag der Reise. Riccardo beschließt die Gruppe zu verlassen, die Genugtuung Askja erreicht zu haben ist so groß, dass sein Hunger nach Kilometern gestillt ist und seine R100 erleichtert diese Entscheidung indem sie den Geist aufgibt. Der Mann, der mit seinem Lächeln die Sonne der Emilia Romagna nach Island gebracht hatte, verlässt die Insel und der Himmel dieses Flecken Erde weint über diese Entscheidung. Wir begleiten Riccardo zum Flughafen von Egilsstadir und fahren weiter nach Hofn, um die Reise dann nach Vatnajokull mit seinen Gletscherlagunen Jukulsarlong und Diamond beach, fortzusetzen, zwei der charakteristischsten Orte Islands!

TAG 7 und 8 Tag
7: Kirkjubaejarklaustur – Hrauneyjar 30 km Asphalt + 150 km Schotterpiste (Piste F208)
Tag 8: Hrauneyjar - Hrauneyjar 200 km Piste

Wir verbringen die letzten beiden Tage der Reise damit in den Weiten des Südwesten umher zu kurven, wo die Wüsten nicht mehr felsig und rot sind sondern die Landschaft sich mit den unheimlich intensiv grünen Moosen von Landmanalaugar färbt, unterbrochen nur von den Pisten schwarzen Sands, die großartige Kontraste dazu bilden. Alex führt uns dann nach Hekla (dem aktivsten Vulkan Europas), es ist ein einziges Labyrinth von Pisten, die auf den Fußrasten stehend gefahren werden müssen, während der Blick den Horizont absucht.
Wir schrauben uns auf den höchsten Punkt einer der Nebenkrater des Vulkans hinauf und erleben ein einmaliges Schauspiel, wir fahren hinunter in die darunterliegenden Wüsten und es ist eine Augenweide, dann setzen wir die Fahrt nach Langamellir und Fjallabak fort. Diese beiden Etappen machen allen am meisten Spaß, da sie am meisten angeleitet und am technischsten sind, fast enduromäßig. Vielleicht haben sie ja Recht, ich dagegen bekomme die F910 (Askja) nicht aus dem Kopf. Wir kehren für den letzten Abend ins Hotel zurück und haben noch einen offenen Punkt auf unserer Wunschliste: Island ist das Land des Nordlichts schlechthin, aber dieses Schauspiel findet normalerweise im Winter statt. Das jetzt auch noch sehen zu wollen, scheint mir einfach zu viel verlangt, ich komme mir maßlos dabei vor, nur daran zu denken.
Und dann ist es während der im Sommer nur zwei Stunden dauernden Dunkelheit plötzlich dann doch da und erhellt den Himmel mit seinen geschmeidigen Bewegungen! Die Wüsten, das Wetter, die Gruppe und nun auch noch das Nordlicht! Es war nicht leicht, an diesem Abend einzuschlafen. Aber noch viel schwieriger war es, am Montag wieder zur Arbeit zu gehen.

MEIN FAZIT

  • Reisen in Island geht mühelos, wenn man generell daran gewöhnt ist. Da es nur eine asphaltierte Straße gibt, die die Insel umrundet (die Ring Road genannte „1“) kümmern sich die Behörden auch um die Pisten im Landesinnern und behandeln sie wie „normale“ Straßen. Sie halten sie instand und schildern sie gut aus; die Straßenschilder tauchen auch inmitten der Wüste unvermittelt an Kreuzungen auf, wo es – hört, hört – auch 4G-Empfang gibt. Das nimmt dem Unternehmen ein bisschen die Romantik, ist aber mit Sicherheit von großer Hilfe.  
  • Mit Ausnahme des Benzins, das so viel kostet wie in Italien, sind die Preise allgemein sehr hoch, ihr müsst bedenken, dass jeder Einkauf im Vergleich zu italienischen Preisen mit 3 bis 3,5 multipliziert werden muss.
  • Das Unklügste, was ihr in Island machen könnt, ist von den befestigten Wegen herunterzufahren. Die Strafen sind teuer und sie erwischen euch auf jeden Fall, ich weiß nicht wie, aber sie erwischen euch!

Diese Reise hat auf jeden Fall gezeigt, dass, egal welches Fahrzeug man benutzt, nicht nur der Körper sondern auch der Geist auf Reisen geht, und dass sich alle Motorräder für die Reise eignen, wenn auch jede ihre Besonderheiten und unleugbaren Neigungen hat.
Es bringt nichts, über das Vorhandensein des Kardans oder das Fehlen der beheizbaren Griffe zu debattieren, vor allem wenn sich inmitten dieser österreichisch-deutschen Spitzfindigkeiten ein Japaner befindet, der sich zwischen den beiden Streithähnen still ins Fäustchen lacht.

"Für weitere Informationen über Anlas-Produkte und Preise besuchen Sie bitte www.innova-box.com".

Text und Fotos: Dario Lupini

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