Woman's world Mo 25 September 2017

Sardinien mit 16 PS

Nach unserer großen Reise zum Nordkap im vergangen Jahr haben wir für dieses Jahr eine sanftere Tour gesucht, inklusive Meer, Sonne und warmen Temperaturen! Anfangs lockte uns Griechenland und vor allem die Landschaft von Meteora. Aber offenbar ist die Hitze dort unerträglich … Also dachten wir, probieren wir Sardinien aus! Gesagt, getan. Schon war die Fähre gebucht. Abfahrt in Genua und Rückfahrt nach Livorno, damit wir auf dem Heimweg noch einen Abstecher in die Toskana machen können. Nachdem wir einige Abende den Lonely Planet studiert hatten, bekamen wir von einigen „virtuellen” Freunden eine Kontaktadresse im Süden der Insel für ein paar Offroad-Touren. Also dachten wir, okay, dann buchen wir da auch! Monica aus Sardinien fragte mich: Mit welcher Art von Motorrad kommt ihr? Ich: Mit Straßenmotorrädern! Sie: Ich habe gesehen, dass du auch eine Enduro hast, die würde sich besser anbieten! Ich: Ja, aber meine Enduro ist eine Honda XL 200 R Paris Dakar von 1986 … Renato unterdessen war von der Idee ganz angetan … Wieso eigentlich nicht? Lass uns mit der XL nach Sardinien fahren, was meinst du? Renato hat eine 600 von 1987, aber ich mit meinen 16 PS, wie soll das gehen? Die Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn beträgt 90 km/h. Ich glaube, selbst die Lkw, die mich überholt haben, haben sich gefragt, was zum Kuckuck ich da mache!

Die ersten Tage waren ein echter Kraftakt, geprägt von Hitze und Chaos; von unserer Unterkunft in einem B&B in Olbia aus haben wir einen Ausflug nach Süden und einen nach Nordenunternommen, um die Costa Smeralda mit ihren berühmten Stränden usw. zu besichtigen. Glücklicherweise kann man mit dem Motorrad ja auch über Sandwege im Nirgendwo fahren oder auf dem Gehweg parken und sich einen weniger überfüllten Strand suchen. Anderswo herrscht der für August typische Andrang. Enttäuschend ist jedoch, wenn man an einer vermeintlich abgelegenen, einsamen Bucht ankommt und Plastikflaschen vorfindet, die irgendein Idiot dort gelassen hat.
Die Idee war, verschiedene Etappen von je 2/3/5 Tagen zu unternehmen, um immer eine andere Ausgangsbasis zu haben, von der aus wir losfahren, und dadurch so viel wie möglich von der Insel zu sehen und gleichzeitig auch die Zeit zu haben, uns ein wenig zu entspannen und zu sonnen. Wie sollte man angesichts des kristallklaren Wassers auch widerstehen und nicht hineinhüpfen?
Anders als ich erwartet hätte, sind die Straßen gut in Schuss und der Asphalt durchgehend fast perfekt. Null Schlaglöcher und überall nur sanfte Kurven. Im Reiseführer erzählten sie etwas von gewundenen Straßen und steilen Serpentinen … wahrscheinlich muss ich ihnen mal ein Foto vomGaviapass schicken – das nenne ich mal scharfe Kurven und steile Serpentinen!
Auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte man sich die Küstenstraße Alghero-Bosa, die 125 von Cagliari nach Olbia, die 126 von Guspini nach Carbonia und viele andere! Unansehnliche Straßen habe ich keine einzige gefunden! Manchmal hätte ich mir etwas mehr PS gewünscht, um mich ein bisschen auf den Pisten zu vergnügen, aber letztlich war es besser so! Die Panoramablicke sind atemberaubend; Natur, wohin das Auge reicht; man fährt km um km, ohne dass man irgendeinem Haus, Auto oder Menschen begegnet. Ab und zu sieht man vielleicht mal Schafe, Ziegen, Wildschweine oder einige Nuraghen, die für Sardinien typischen prähistorischen Turmbauten.
Was Offroad-Touren betrifft, so hat man die Qual der Wahl: angefangen bei kleinen Straßen, die zu ruhigen Stränden führen, über die Panoramaroute zwischen Putzu Idu und Tharros, vorbei an steilen Klippen und perlweißen Stränden, über den Feldweg zwischen Santadi und Macchiareddu bis hin zur Insel San Pietro und der Straße von Monte Rosmarino. Damit wir nochmal richtig auf unsere Kosten kommen, haben Monica und Claudio uns eine halbtägige Enduro-Tour organisiert, mit den richtigen Maschinen und der kompletten Kluft. Wenn ihr in der Nähe von Narcao unterwegs seid, erkundigt euch nach den beiden! Ergebnis: ein Vormittag unterwegs zwischen alten Minen, steilen Meeresklippen und von Flamingos bewohnten Lagunen. Das einzige Problem jedes Mal ist leider nur: Mit meinen einen Meter fünfzig ist es nicht immer leicht, die Füße auf den Boden zu kriegen, und Sekunden nachdem ich denke, ich würde den Boden berühren, liege ich stattdessen im Myrtenstrauch. Aber der Ausblick von dort ist sensationell!

st nach einem unserer besten Essen – wir waren in Portixeddu – laufen wir gerade zu unseren Motorrädern zurück, als mir eine Dame entgegenrennt und irgendetwas von ihrem Mann ruft; ich will schon antworten „Sie müssen mich verwechseln“, als sie zu Atem kommt und mir sagt: »Mein Mann folgt deinem Motorrad-Blog und hat dich erkannt! Warte kurz, er kommt gleich, er wollte nur schnell eben parken!« WOW! Meine Honda hat echt viele Fans! Auch am nächsten Tag haben sie uns an einigen Stellen erkannt! Bin ich vielleicht zu präsent in den Social Media? Jedenfalls hatte ich irgendwie Startprobleme mit der Honda und auch mein Mechaniker hat sich die Haare gerauft, als ich ihm davon erzählt habe. Vor unserer Abfahrt haben wir also nochmal einen ausführlichen Check gemacht und ein paar Kilo Motoröl, einen Kupplungszug und ein paar Reserve-Kupplungshebel mitgenommen, aber natürlich ist genau das kaputtgegangen, was ich nicht dabei hatte! Nachdem wir einen Tag zwischen den Klippen und Stränden von Putzu Idu bis Tharrosherumgebummelt haben und nur noch 500 Meter von unserem Bed & Breakfast entfernt waren, riss der Gaszug. Zum Glück gab es nicht weit weg einen Mechaniker, der uns jedoch sagte, dass er erst am nächsten Morgen um 9 Uhr wieder da wäre. Ursprünglich war eine Abfahrt früh am Morgen geplant, um Oristano, Iglesias und ein paar andere Orte zu besichtigen, aber der Mechaniker hatte die Ruhe weg und so war das Motorrad erst gegen eins fertig. Da uns nichts anderes übrig blieb, nutzten wir die Zeit, um einzukaufen, Kaffee zu trinken … Aber da Geduld nicht zu meinen Tugenden gehört, positionierte ich mich drohend vor dem Eingang, in der Hoffnung, dass er sich etwas beeilt und vielleicht habe ich ihn genervt oder abgelenkt, auf jeden Fall fuhr ich los und merkte, dass der Benzinhahn zugedreht war. Als ich ihn öffnete, spürte ich einen Stoß gegen die Beine; er hatte den Benzinschlauch nicht wieder anmontiert! Was soll man dazu sagen?

Am Ende legten wir 2865 km in 19 Tagen zurück, um von Bergamo nach Sardinien und zurück zufahren. Die XL stellte sich dabei als perfekte Begleiterin heraus, um die Straßen und das Panorama auszukosten. Außerdem waren wir schließlich im Urlaub … wozu also die Eile?
Tja, was bleibt mir noch zu sagen? ... wo geht’s nächstes Jahr hin?

Text und Fotos von Francesca Morandi

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