Dual Mi 04 Oktober 2017

Südamerika…The Dream

Vermutlich jeder von uns hat einen Traum, einen lang gehegten Traum, der ihn sein ganzes Leben lang begleitet. Und genau diesen konnte ich endlich verwirklichen.
Es wird nicht leicht werden, die 64 Tage, die ich mit meinem Motorrad (eine R 1100 GS Baujahr 1997 mit über 280.000 km) quer durch Südamerika gefahren bin, auf den folgenden Seiten zusammenzufassen und all das wiederzugeben, was ich bei meiner Reise erlebt und gesehen habe,bei der ich 11 Grenzen passiert, vier Länder (Peru, Bolivien, Chile und Argentinien) durchquert und mit einem Benzinverbrauch von über 1.100 Litern insgesamt 16.000 km zurückgelegt habe. Aber ich werde es versuchen.
Alles begann im März 2016, als ich im Internet zufällig auf Pläne für eine Reise nach Südamerika im Zeitraum Januar bis März 2017 aufmerksam wurde, für die noch Teilnehmer gesucht wurden.Anfangs habe ich mich eher aus Neugier damit beschäftigt, aber nach einem Monat beschloss ich, mich einer Gruppe von 4 Motorrädern anzuschließen. Ich werde jetzt nicht alle bürokratischen und organisatorischen Hürden aufzählen, die es zu überwinden galt, aber ich kann euch sagen, dass die Vorbereitungen langwierig und kompliziert waren (allein die Spedition des Motorrads per Containerhin und zurück war ein Act). Aber mit viel Geduld haben wir es hinbekommen. Schon die Vorbereitung des Motorrads ist ein Kapitel für sich: Zunächst galt es herauszufinden, was wir auf die lange und beschwerliche Reise an Gepäck mitnehmen würden (Zelt und Zubehör, Ersatzteile, geeignete Kleidung, Ersatzreifen, usw.). Aber auch das haben wir geschafft.
Außerdem vereinbarte ich ein Treffen mit meiner Lebensgefährtin Cristina, die mich 18 Tage lang bei meinem Abenteuer begleiten würde.
So gingen die Tage mit lauter Vorbereitungen und Überlegungen dahin, und dann war es endlich soweit: Am 7. Januar ging es endlich los.

Flug Mailand-Madrid-Lima

Die ersten 5 Tage in Lima sind ziemlich chaotisch, weil der Versand meines Motorrads und seine Verzollung durch die langsame, umständliche Bürokratie verzögert wurde und mir fast den letzten Nerv raubte. Aber in einer finsteren Nacht ist es endlich soweit und wir können den Container öffnen und meine Rossa in Empfang nehmen.
Am 13. Januar beginnt das große Abenteuer. Zunächst fahren wir über die Straße, die uns zu unserer ersten Etappe führen soll: den Nazca-Linien. Auf dem Motorrad sitzend, den Helm auf dem Kopf, schaue ich mich um und werde nachdenklich. Ich bin wirklich hier, denke ich, während um mich herum eine Welt liegt, die völlig anders ist als unsere, mit anderen Menschen, einer anderenSprache, anderen Landschaften. Ja, Alberto, du bist wirklich hier! Ich kann nicht beschreiben, was ich in diesem Moment empfunden habe. Ich schaue mir meine Rossa an und denke: Meine liebe Freundin, wie schön, dass auch du hier bist. Das ist wahre Liebe auf zwei Rädern, und ich hoffe, dass sie brav mitspielt.
Ankunft an den berühmten Nazca-Linien. Fasziniert betrachte ich die Zeichnungen in dem Wissen, dass sie 500 v. Chr. entstanden und stilisierte Tiere darstellen.
Von dort dauert die Fahrt bis nach Cusco 2 Tage. Unterwegs spüren wir erste Auswirkungen der Höhe (wir befinden uns weit über 4.000 Meter) in Form von Mattheit und Atemschwierigkeiten und auch mein Motorrad hat Probleme mit dem Vergaser. Doch schließlich erreichen wir unser Ziel.
Cusco ist das Basislager für Exkursionen zu einer weltberühmten Stätte: dem Machu Picchu.
Am nächsten Tag geht es zunächst weiter mit dem Kleinbus, dann mit dem Zug und zuletzt miteinem Überlandbus, bis wir an dieser Weltkulturerbestätte angelangen, die mich zutiefst berührt. Es ist einfach überwältigend: Ich kenne den Machu Picchu von Fotos und Dokus und nun stehe ich zum ersten Mal leibhaftig davor. Ein wahrhaft magischer Ort. Zwischen den Ruinen dieser ruhmreichen Stadt inmitten des Regenwaldes erhält man einen Eindruck davon, wie die Inka früher gelebt haben und organisiert waren. Es ist ihrer abgeschiedenen Lage zu verdanken, dass diese Stätte damals nicht den spanischen Invasoren zum Opfer fiel.
In den darauffolgenden Tagen beginnen die ersten Offroad-Touren; für mich, der ich bei null beginne, heißt das, dass ich erste Erfahrungen sammele. Ich habe meiner Rossa noch nie profilierte Reifen verpasst und sie offroad genutzt, außer vielleicht ab und zu auf unbefestigten Straßen. Am Anfang ist es echt hart, auch weil uns die gesamte Palette erwartet: Schlamm, der berühmte „ripio“ (Schotter), Sand, Furten. Zwar konnte ich ein paar Stürze nicht verhindern, aber zumindest kann ichbehaupten, dass ich heute nicht mehr so unvorbereitet wäre und mir durch diese Erfahrung gewissermaßen ein dickes Fell gewachsen ist.
Letztlich pegeln wir uns zwischen 4.500 und 4.900 Höhenmetern ein und auch dank der Einnahme von entsprechenden Tabletten gewöhnen wir uns nach und nach an die Höhe, bis wir zuletzt nichts mehr davon merken und auch das Medikament absetzen können.
In Chivay fahren wir zum Mirador, einem Aussichtspunkt, um den Condor zu beobachten, wie er anmutig durch die Lüfte segelt. Ein riesiger und schwerer Vogel, der eine Flügelspannweite von über 3 Metern erreicht.
Die nächsten Kilometer führen uns über landschaftlich reizvolle Straßen zu unserer ersten Grenze (Bolivien). Unterwegs bewundern wir den Titicacasee, den höchstgelegenen kommerziell schiffbaren See der Welt. An der Grenze wird uns klar, dass jeder Grenzübertritt eine kleine Herausforderung werden dürfte. Zuerst muss man an den Immigrationsschalter für Personen, dannan den Schalter für die Einreise von Transportmitteln, dann inspiziert ein Beamter das Motorrad, manchmal sogar mit Öffnen des Gepäcks. Überall bekommt man lauter Stempel, wobei man aufpassen muss, dass sie die Papiere auch wirklich stempeln, sonst gibt es Probleme bei der Weiterfahrt. Das wirkt befremdlich, weil wir in Europa mit der Freizügigkeit das nicht mehr gewohnt sind. Da gilt es, sich mit Händen und Füßen zu verständigen, was eine bereichernde Erfahrung ist, aber auch ein wenig mit Anspannung verbunden ist, denn letztlich bin ich in ihren Augen ein Fremder.
Nach zwei Tagen erreichen wir die zweite Hauptstadt: La Paz. Im Gegensatz zu Lima erinnert sie mit ihrem Asphalt und einem einigermaßen geregelten Verkehr ein wenig mehr an eine Stadt. La Paz ist einfach anders - ich habe sie auch als „Höllenkreis“ bezeichnet. Bestimmt war Dante Alighieri von dieser Stadt inspiriert, als er das „Inferno“ seiner Göttlichen Komödie schrieb. Alles (Menschen, Verkehrsmittel, Tiere) scheint hier in Bewegung zu sein, ohne irgendeine ersichtliche Ordnung, es herrscht Chaos pur. An den Kreuzungen, an den Kreisverkehren herrscht das Recht des Stärkeren. Der Ausblick hoch über die Stadt ist gewaltig, wen man sich die Häuser anschaut, die inmitten dieses völligen städteplanerischen Chaos gebaut wurden. Man muss sich das einmal vorstellen: Die U-Bahn der Stadt ist eine Gondelseilbahn, wie man sie bei uns auf Skipisten benutzt. La Paz wird unsere Ausgangsbasis für unseren Ausflug auf die berühmte Todesstraße, die Carretera de la Muerte. Am nächsten Tag lasse ich mich auf dieses Abenteuer ein und begebe mich auf diese schmale einspurige Straße, die sich wie eine Schlange durch die Berge windet. Die gesamte Straße ist ungeteert und führt durch Wasserfälle hindurch, bei denen man unfreiwillig ein Bad nimmt, aber trotzdem ist sie absolut faszinierend - nicht nur wegen der steilen Abgründe, sondern auch wenn man bedenkt, dass hier noch bis vor zwei Jahren in zwei Richtungen Lkw, Busse und Autos unterwegs waren. Da fragst du dich wirklich, wie die das hingekriegt haben!
In ein paar Tagen Fahrt werden wir Uyuni erreichen. Dorthin gelangen wir über eine überaus schöne Bundesstraße, die nicht nur über optimale Kurven verfügt, sondern zu unserer großen Überraschung auch asphaltiert ist, nachdem man uns gesagt hatte, es handle sich um eine Schotterstraße. Umso freudiger und schneller die Ankunft.

Bevor ich in die Stadt Uyuni hineinfahre, mache ich zunächst Bekanntschaft mit dem Salar, der Salzwüste von über 10.000 km² Fläche. Leider ist sie vom letzten Regen teilweise aufgeweicht, sodass ich mit der Rossa nicht hineinfahren kann. Aber ich bleibe stundenlang dort, um einfach die Szenerie zu bewundern, die sich meinem Auge bietet.
An den drei darauffolgenden Tagen unternehme ich in einem Jeep eine organisierte Tour und lerne die umliegende Natur besser kennen: den Salzsee selbst, außerdem einige Salzlagunen und Landschaften, wie man sie auch in Dakar finden könnte. An unserem letzten Morgen in der Salzwüste hatte es in der Nacht zuvor geschneit (immerhin ist man hier auf fast 5.000 Metern Höhe), wodurch der Anblick der erloschenen Vulkane und all der surrealen Farbtöne einfach überwältigend war.
Nach dieser Tour steige ich wieder auf meine Rossa und nach Zwischenstopps in Potosì und Tupizkomme ich gegen Abend in Villazon an. Ein Blick auf den Grenzübergang nach Argentinien, dermich am nächsten Tag erwartet, und mir ist klar, dass das kein leichtes Unterfangen werden dürfte. Und tatsächlich bewahrheitet sich meine Befürchtung, denn obwohl ich schon um 6 Uhr morgens da bin, finde ich eine lange Schlange aus Menschen und Verkehrsmitteln vor, die die ganze Nacht dort im Freien kampiert hatten. Nach zirka sechs Stunden betrete ich dann endlich argentinischen Boden, aber Leute, ich sag euch, das war echt anstrengend. Das ist die mit Abstand am schwierigsten zu passierende Grenze aller Zeiten!
An den darauffolgenden beiden Tagen, die mich bis nach Chile führen, bewundere ich unterwegs die berühmten Hügel der 7 (bzw. 14) Farben der Humahuaca. Es ist immer wieder erstaunlich, was die Natur hervorbringt, und bringt einen dazu darüber nachzudenken, wie der Mensch langsam aber sicher den Planeten, auf dem er lebt, zerstört; wenn sich an dieser Tendenz nichts ändert, werden unsere Nachfahren die traurigen Konsequenzen zu spüren bekommen.
Beim Grenzübertritt nach Chile über den Jama-Pass blicke ich auf eine andere Salzwüste: die Salinas Grandes. Da kommt Freude auf, angesichts all der Serpentinen in schwindelerregenden Höhen. Die Route führt uns nach San Pedro di Atacama, womit wir das Hochgebirge endgültig hinter uns lassen und von 4.000 auf 1.500 Meter hinabsteigen, auch wenn ich mich, wie gesagt, nach inzwischen 20 Tagen an die Höhenluft gewöhnt hatte.
In den beiden Tagen, in denen wir Halt in San Pedro machen, besuche ich das Valle della Luna, das wirklich beeindruckend ist, eben wie eine Mondkraterlandschaft, mit Salzablagerungen, die aussehen, als habe sich eine Schneedecke über die Landschaft gelegt.An den drei darauffolgenden Tagen fahre ich in die Atacamawüste hinein. Die Straßen dort sind lang und langweilig, hunderte von Kilometer geht es immer nur geradeaus, außerdem ist es überall staubig. Tankpause an der berühmtesten Skulptur der Gegend: der Mano del Desierto. Diese Hand, die aus dem Boden ragt, wirkt inmitten der Weiten seltsam und einzigartig und ist für jeden, der hier entlangkommt, ein willkommenes Fotomotiv.
Um wieder nach Argentinien zurückzukehren, muss man den Agua-Negra-Pass in 4.753 Metern überqueren. Die chilenische Grenze befindet sich vor dem Anfang des leicht ansteigenden Wegsund an ihrem Ende (120 km, alles ungeteert) befindet sich die argentinische Grenze. Meiner Meinung nach eine der schönsten Geländestrecken überhaupt, inmitten hoher Gipfel steigt die Straße und fällt zwischen den Tälern hinab. Die Aussicht ist so atemberaubend, dass man beim Fahren alle Sorgen angesichts der Strecke vergisst. Absolut lohnenswert.
Nun befinde ich mich auf der Zielgeraden nach Santiago de Chile mit Zwischenstopp in San Jose de Jachal und Mendoza. Dafür muss ich nochmals von Chile nach Argentinien hinüberfahren, über den Cristo-Redentor-Pass, wo mich einige schwindelerregende Kehren erwarten, die mit unserem einzigartigen Passo dello Stelvio (Stilfser Joch) jedoch nicht mithalten können.
Santiago de Chile – ein emotionsgeladenes Etappenziel. Neben einem mehrtägigen Aufenthalt, um uns die Hauptstadt Chiles anzuschauen, und einer Inspektion meines Motorrads beim örtlichen BMW-Händler, erwartet mich die Ankunft meiner großen Liebe und Lebenspartnerin Cristina. Nachdem sie einmal um die halbe Welt geflogen ist, trifft sie pünktlich am vereinbarten Treffpunkt ein und wird mich bis nach Ushuaia begleiten. In Santiago habe ich einen kurzen Termin bei BMW vereinbart, weil ich neben einem Wechsel des Hinterreifens auch einen allgemeinen Check durchführen lassen will. Leider sind die Angestellten beim Waschen der Rossa allzu eifrig, was zu einem Problem mit dem Hallsensor führt, sodass mein Motorrad nicht mehr anspringt. Es folgen panische 24 Stunden mit der Horrorvorstellung, die Reise nicht fortsetzen zu können, aber letztlich finden wir ein Ersatzteil und am 11. Februar kann es weitergehen: Inzwischen haben wir 35 Tage und 7.000 km hinter uns, das Schönste aber liegt noch vor uns.
Als Nächstes erwartet uns die berühmte Ruta 40, die mit ihren asphaltierten und nicht asphaltierten Abschnitten und den berüchtigten Schotterpisten eine echte Herausforderung darstellt!
In den drei Tagen, die wir brauchen, um nach San Carlos de Bariloche zu gelangen, überqueren wir erneut die Grenze von Chile nach Argentinien und begeben uns in das Gebiet der sieben Seen: plötzlich werden wir in eine Welt katapultiert, die mich an Norwegen erinnert; statt Staub und Wüste liegen vor uns saftig grüne Hügel und Seen, in denen sich die Berge ringsum spiegeln.
Als es weitergeht, trennen Cristina und ich uns von der Gruppe, um einen besonders anstrengenden ungeteerten Straßenabschnitt Patagoniens zu umgehen, und nachdem mir aufgefallen ist, dass ich viel zu schwer bepackt unterwegs bin dafür, dass mein Motorrad schwerer ist als die der anderen, schlagen wir uns alleine durch und ändern dafür teilweise die Route. Die nächsten 4.500 km müssen wir den Rest der Reise ganz allein bewältigen.
Von San Carlos de Bariloche fahren wir quer durch Argentinien durch die sprichwörtliche Pampa. Man fährt kilometerweit über Straßen, die kein Ende nehmen. Vereinzelt gibt es Wohnsiedlungen, wo wir immerhin unseren Vorrat an Benzin und Essen aufstocken können. Dann machen wir Halt in Sarmiento. Die Atlantikküste ist nicht mehr weit.
In zwei Tagen werden wir in El Calafate eintreffen. Unterwegs machen wir Halt in San Julian, allerdings nicht ohne uns zuvor in der Bucht vor Caleta Olivia eine große Seelöwenkolonie anzusehen. Ein wahrlich beeindruckendes Erlebnis, an den Strand zu gehen und diese riesigen Tiere zu bestaunen; die Männchen können bis zu 3 m lang werden, das muss man sich mal vorstellen! Wenn die Seelöwen brüllen, läuft einem ein Schauer über den Rücken. Unterwegs machen wir nicht nur Bekanntschaft mit Lamas (aus Peru), sondern treffen auch auf die ersten Vogelsträuße. Diese Tiere in ihrer natürlichen Wildbahn zu sehen, war für uns ein unglaublich emotionales Erlebnis.
Am 40. Tag unserer Reise treffen wir in El Calafate ein, unserer Ausgangsbasis für unseren Ausflug zum berühmten Perito Moreno, nachdem wir die letzten 800 km im strömenden Regen fahren mussten.

 

Der Perito Moreno: ein Gletscher, der allein schon wegen seiner Ausmaße und seiner Farben fasziniert. Der Kontrast zwischen dem Weiß und dem Kobaltblau ist einfach fantastisch. Benannt wurde er nach dem argentinischen Geographen und Entdecker Moreno, der als solcher den Titel „Perito“ (dt.: Sachverständiger) trug. Mit dem Boot nähern wir uns der riesigen Eiswand (ca. 60 m hoch), wobei die Stille immer wieder jäh zerrissen wird von den Eisbrocken, die durch das Vorrücken des Gletschers abbrechen und unter ohrenbetäubendem Lärm ins Wasser fallen.
Nach zwei Tagen verlassen wir El Calafate und überqueren erneut die argentinisch-chilenische Grenze am Rio-Don-Guillermo-Pass in Richtung Puerto Natales, die nächste Etappe am Eingang zum Parco del Paine.
Die Vegetation ändert sich und es fällt sofort auf, dass hier kräftige Winde vorherrschen, was mitunter gefährlich werden kann. Die Bäume wachsen dementsprechend in diagonaler Richtung. Von Puerto Natales geht es entlang der Küste nach Punta Arenas, und unser Traum rückt näher.
Früh am Morgen geht es los (es ist der 44. Tag und wir haben bislang 11.793 km zurückgelegt) und wir alle drei – Cristina, ich und unsere Rossa - wissen, dass ein besonderer Tag vor uns liegt.
Nachdem wir Punta Arenas verlassen haben, nähern wir uns Feuerland, das wir mit einer Fähre über die Magellanstraße erreichen. Seltsam, ausgerechnet einen so kalten Ort wie diesen Feuerland zu nennen. Aber Ferdinand Megallan nannte die Meerenge deshalb so (wir reden von 1520!), weil sie bei der Durchfahrt vom Schiff aus Feuer sahen, die die indigenen Bewohner entzündeten.
Als wir die Fähre verlassen, fahren wir durch äußerst karge Vegetation mit Bäumen, von denen kein einziger gerade steht, und Moos statt Gras. An der chilenischen Grenze angekommen, treten an die Stelle der asphaltierten wieder ungeteerte Straßen, bis zur argentinischen Grenze. Aber wir genießen einfach den Moment, ganz ohne Angst und Unsicherheit, in dem Wissen, wohin uns diese Straßen führen werden. Ab der argentinischen Grenze auf der Grande Isla de Terra del Fuego gibt es wieder Asphaltstraßen und die Fahrt ist überaus angenehm, die uns allmählich zu den Bergen und dem Garibaldipass führt (unser Held zweier Welten), bis wir endlich am Ziel unserer Träume ankommen. Endlich liegt er vor uns: The Dream.
Ushuaia, das Ende der Welt, empfängt uns mit zwei Säulen, auf denen der Name der Stadt geschrieben steht.
Es ist der 20. Februar 2017, 19:18 Uhr Ortszeit (in Italien ist es 23.18 Uhr) und wir haben insgesamt 12.457 km in 44 Tagen zurückgelegt. Nach meinem Geburtsdatum ist dies mit Sicherheit das Datum, das ich fortan nie mehr vergessen werde.
Wir bleiben 6 Tage in Ushuaia, bis zum Abreisetag von Cristina. Wir nutzen die Zeit, um uns zu erholen, den Nationalpark am Fin del Mundo zu besuchen, und eine Tour zu den Pinguinkolonien zu unternehmen. Nur 1.000 km entfernt liegt die Antarktis, aber ehrlich gesagt sind die Kosten für eine 8-tägige Exkursion der reinste Wahnsinn.
Am 27. Februar fliegt meine Lebensgefährtin dann nach Hause, während ich mich mit meiner Rossa auf den Weg mache, um in Buenos Aires wieder zu meinen Reisegefährten dazuzustoßen (Distanz: über 3.000 km). Während der Fahrt, die mich über Rio Gallegos und San Julian die Atlantikküste hochführt, mache ich Bekanntschaft mit dem berühmten Wind, der wirklich enorm stark weht (gelegentlich erreicht er 140 km/h und fegt Maschinen mit kleinerem Hubraum um), sodass die nächsten 200 km eine echte Strapaze sind, bei der mir angst und bange wird. Aber meine Rossa und ich schaffen es, nicht hinzufallen und durchzuhalten.
Derweil lerne ich unterwegs eine Familie kennen, die mich eine Nacht zu sich nach Hause einlädt. Eine wunderschöne Erfahrung, die mir wieder einmal, wie bereits während der gesamten Reise, zeigt, dass die Menschen hier eine bewundernswerte Einstellung zum Leben haben. Mir kommt es so vor, als seien wir völlig verrückt, mit unserem hektischen und chaotischen Lebensrhythmus, während diese Leute ruhig und besinnlich vor sich hinleben. Richtig so. Schließlich komme ich über Bahia Blanca und Mar de La Plata endlich in Buenos Aires an. Natürlich nutze ich den 5-tägigen Aufenthalt auch, um mir die Stadt anzusehen, die mich an eine europäische Hauptstadt erinnert.
Am 10. März übergebe ich meine Rossa schließlich den argentinischen Grenzbehörden (sie wird am 26. April in Italien eintreffen). Zuvor verabschiede ich mich von ihr, wünsche ihr einen guten Heimflug und bedanke mich für ihre unermüdliche Ausdauer.
Am nächsten Tag steige ich ins Flugzeug und treffe am 12. März in Italien ein, wo ich nachmittags um 15.00 Uhr zu Hause ankomme.
Tja, ihr werdet fragen, welches Wort diese Erfahrung am besten beschreibt: Einzigartig? Unglaublich? Unvorstellbar?

Nein, Leute, diese Reise war mehr als das, sie war: THE DREAM.

Diese Reise hat mir viel Zeit und Kraft abverlangt, hat sich aber voll ausgezahlt. Wir haben unendlich viele unglaubliche Bilder und Eindrücke mitgenommen. Klar, es ist nicht mit einer Reise in Europa zu vergleichen, aber genau deswegen nennt es sich ja Abenteuer.
Um eine solche Reise zu absolvieren, braucht man Zeit (ich bin pensioniert), die entsprechenden finanziellen Mittel und viel Anpassungsfähigkeit, was das Essen, die Unterbringung und das Lösen von Problemen angeht, die sich unterwegs ergeben. Aber ich wünsche jedem, dass er eines Tages die Chance dazu hat, weil es sich wirklich lohnt, und am Ende könnt auch ihr von euch sagen: Ich bin da gewesen.
Lichthupen-Gruß von eurem Alberto!

Text und Fotos von Alberto Marconcini

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