Dual Mi 27 Juni 2018

VIETNAM 2018

Wenn dein Freund und Nachbar dir sagt, dass er zum vierten Mal nach Vietnam will, dann fragst du dich doch, was er an diesem Land findet! Du denkst, es geht ihm nicht gut, dass er sich dort bis über beide Ohren verliebt hat oder dass es vielleicht wirklich ein schönes Land ist. Wenn er dir dann noch sagt, dass er alleine mit dem Motorrad fährt und so wenig wie möglich auf Asphalt fahren will … wie soll man dann noch der Versuchung widerstehen können? Mein „Ich will mit!“ ist mir so spontan herausgeschlüpft, wie einem Kind sein erstes Wort. Und so nahm dieses Abenteuer in einem wundervollen Land, mit unglaublichen Farben und beeindruckender Lebendigkeit seinen Anfang bei einer Tasse Kaffee. Wir wollten zu zweit fahren, aber sobald sie durchsickert, macht die Nachricht die Runde und erreicht innerhalb kürzester Zeit alle Biker-Freunde. Da fällt es schwer, nein zu sagen und wir sind zu siebt als wir einen Schlussstrich ziehen müssen. So bildete sich eine Gruppe von etwas in die Jahre gekommenen „Jungs“, in der wir unheimlich viel Spaß hatten, scherzten, lachten und spielten wie die Kinder. Wir durchquerten Orte, durch die wahrscheinlich selten Europäer kommen und die Gastfreundschaft war unglaublich! An jedem Ort, in jedem Haus waren wir Ehrengäste, wir wurden auf Feste und zu Hochzeiten eingeladen, zum Tanzen, Trinken und Essen!

23. Februar / 11. März 2018
Die Abenteurer sind Gigi, Carlo, Stefano, Fernando, Gianni, Paolo und Giorgio (“The Guide”, denn er lebt in Vietnam). Als Reiseführer benutzen wir Lonely Planet, und die Website vietnamcoracle.com.
Freitag 23. Februar
Abreise mit Aeroflot um 12.35 ab Venedig mit Zwischenlandung in Moskau und Ziel Ho-Chi-Minh-Stadt. Der Flug ist ruhig und wir kommen am Samstagmorgen in Saigon an. Die Zeitverschiebung bringt uns um 6 Stunden zurück.
Samstag 24. Februar
Nachdem wir die erfreulich schnellen Zollangelegenheiten erledigt haben, finden wir uns bereits mittendrin in dem heißen Klima Saigons mit seinen Gerüchen und Geräuschen. Wir fahren zum 7. Bezirk (im Süden der Stadt). HCMC hat circa 8 Millionen Einwohner, aber der Verkehr scheint trotz allem recht ruhig zu sein, wenn man überlegt, dass Wochenende ist und noch dazu Ende des chinesischen Neujahrsfest. Roller sind in der Stadt die am meisten benutzten Fahrzeuge aber im Vergleich zu den Vorjahren sieht man auch immer mehr Autos. Wir übernachten in einem schönen Apartment im Südturm der Sunrise-Residence. Mit Freddy und Giorgio gehe ich sofort 2 Motorräder bei Tigit Motorbike mieten, so dass wir uns auf eigene Faust in der Metropole bewegen können. Am Abend werde ich mit Carlo zu einem Empfang gehen, um die Hochzeit von Joseph und Van im Hotel Nikko zu feiern. Ein fantastischer Abend, warm und alkoholisch!!!
Sonntag 25. Februar
Mit dem Roller sind wir auf Entdeckungsfahrt in HCMC in Begleitung von Han, die bei Givi Vietnam arbeitet. Alle Menschen, die wir treffen, grüßen uns mit einem freundlichen Lächeln, das zur wundervollen Konstante dieser unglaublichen Reise wird. Wir besuchen das „Kriegsreste-Museum“, wo wir die vietnamesische Perspektive des furchtbaren Konfliktes mit den Vereinigten Staaten kennenlernen. Auch den Palast der Wiedervereinigung besichtigen wir, einen düsteren Bau im Stil der 60er Jahre mit seinen vielen leeren Sälen. Ein bedeutender Ort für die Befreiung Vietnams. Wir sehen das von Eiffel erbaute Hauptpostamt und die Markthallen von Ben Thanh, wo man wirklich alles bekommen kann. Mittagessen gibt es in einem hübschen kleinen Restaurant wo wir anfangen, uns mit dem hervorragenden vietnamesischen Essen und den unvermeidlichen Stäbchen vertraut zu machen. Am Abend Grillen bei Joseph am Riviera Point am Saigon-Fluss, wo wir von der 30. Etage aus die herrliche nächtliche Skyline der Stadt bewundern können.
Montag 26. Februar
Besichtigung der Givi Factory Vietnam, einem Werk der Givi-Gruppe (Motorradzubehör). In diesem Unternehmen werden alle weichen Motorradtaschen und die Regenkleidung produziert. 250 Mitarbeiter arbeiten hier. Givi wird der Sponsor für unser Abenteuer sein und uns die gesamte technische Kleidung für diese Reise zur Verfügung stellen. Außerdem sollen wir Regenanzüge, Seitenmotorradtaschen und diverse Kleidungsstücke von optimaler Qualität testen, die noch nicht auf dem Markt sind, sich aber bald als sehr nützlich erweisen werden. Am Nachmittag Besuch in den Cu-Chi-Tunneln, 50 Kilometer von HCMC entfernt, wo wir Teile des 250 Kilometer langen Tunnelnetzes besichtigen können, das von den Vietnamesen gegraben wurde, um sich erst vor den französischen Invasoren zu verstecken und sie zu bekämpfen und dann vor den Amerikanern. Am Abend gibt es als Abschiedsessen mit dem Givi-Team köstlichen Meeresfisch.

Dienstag 27. Februar
Am frühen Morgen reisen wir mit der Vietjet Air nach Hanoi. Am Flughafen treffen wir uns mit Stefano, der direkt aus Italien kommt. Nach einer vierzigminütigen Taxifahrt kommen wir in den Mayfair Appartments im Stadtzentrum an. Nachdem wir das Gepäck abgeladen haben, geht es sofort zu Tigit Motorbike, um unsere Scooter abzuholen. Es sind alles Honda Blade 110 cc in optimalem Zustand, mit halbautomatischem 4-Ganggetriebe und nagelneuen Stollenreifen. Wir beginnen uns an den chaotischen Verkehr der Hauptstadt zu gewöhnen. Regeln gelten hier nicht, die Geschwindigkeit ist mäßig (höchstens 35 km/h). Die Kreuzungen sind das schwierigste, wer anhält ist verloren! Den anderen Fahrzeugen muss man sachte ausweichen, ohne heftige Bewegungen zu vollziehen. Den Abend verbringen wir im Zentrum, wo wir ein kleines Lokal mit Street-Food finden, mit Minitischen und Mikrostühlen. Es gibt Grillfleisch, das direkt am Tisch zubereitet wird.
Mittwoch 28. Februar Hanoi – Vinh Phuc, 60 km
Frühstück mit dem fantastischen vietnamesischen Ca-phe-sua-Kaffee und Hörnchen (den einzigen auf der ganzen Reise). Wir bereiten die Motorräder und die gesamte Ausrüstung vor, die wir in den nächsten 10 Tagen brauchen werden. Giorgio kommt aus HCMC und am frühen Nachmittag brechen wir zu den im Norden liegenden Bergen auf. Die Ausfallstraßen der Hauptstadt sind stark befahren und obwohl Giorgio vorne und ich am Ende des Konvois durch Gegensprechanlage miteinander verbunden sind, müssen wir sehr aufpassen. Wir sind alle mit einer vietnamesischen SIM-Karte ausgestattet (was sich als sehr nützlich herausstellen wird) und daher immer in Verbindung, auch falls jemand verloren gehen sollte. Wir haben einen mit allen Aktualisierungen geladenen TomTom, der aber nicht an die Navigation mit GoogleMaps heranreicht. Als wir den Verkehr der Hauptstadt hinter uns lassen, wird die Landschaft interessanter: Reisfelder soweit das Auge reicht. Wir kommen in Vĩnh Phúc beim FLC-Resort an, einem unglaublichen Hotel. Zwischen der Rezeption und den Zimmern liegt ein künstlicher zirka 200 Meter langer See. Das Hotel ist fast leer. Wir sind die einzigen, die von einer Riesenschar Kellner bedient in dem Speisesaal zu Abend essen. Heute haben wir um die 60 km in ungefähr drei Stunden zurückzulegen.
Donnerstag 1. März, Vinh Phuc – Nghia Lo, 160 km
Nach einem guten Frühstück mit Eiern und Bacon fahren wir los. Das Klima ist gut, aber die Sonne ist nicht zu sehen, die in der Luft hängende Feuchtigkeit macht die Farben kraftlos und bleiern. Heute geht die Fahrt nach Norden in die Berge. Die ersten Hügel beginnen bereits kurz nach dem Start. Am späten Nachmittag kommen wir in Nghia an, wo wir das bescheidene Nghia Lo Hotel finden. Die kleine Stadt wimmelt vor Lebendigkeit, es gibt einen Markt in der Straße, die an unserem Hotel vorbeiführt, dessen sämtliche Waren (Obst und Gemüse) entlang der Straße präsentiert werden. Wir machen einen Spaziergang und finden sofort das Lokal, in dem wir zu Abend essen werden. Wir nehmen alle die Pho Bo, eine Suppe aus Rindfleisch mit Reisnudeln, verschiedenen Kräutern, Sojakeimen, aromatisiert mit Minze und Limetten. Fantastisch und erquickend.
Freitag 2. März, Nghia Lo – Cò Là, 200 km
Frühstück und los geht’s. Die Straßen beginnen interessanter zu werden und im Dunst kann man die ersten Berge mit ihren mit Pflanzen gespickten Kalksteinzinnen erkennen. Die Asphalt-Straßen, auf denen wir fahren, sind in gutem Zustand, Schwerverkehr gibt es hier nicht. Wir durchqueren kleine Dörfer, deren Einwohner in traditionelle Trachten gekleidet sind und kommen in die Stadt Cò Là, die in einem von hohen Bergen umgebenen Tal liegt. Eine Unterkunft für den Abend ist schnell gefunden, wir gehen zum Sky Hotel, deren Besitzer uns freudig begrüßen und darauf bestehen, uns das Highlight des Hotels zu zeigen: Ein total schalldichter Saal für Karaoke voller Spiegel und Lichter. Von unserem nur mäßigen Interesse leicht enttäuscht, begleiten sie uns zu den Zimmern: groß, hell mit enormen Betten und super Matratzen.
Samstag 3. März, Cò Là – Phong Tho (Lai Chau), 150 km
Wir setzen die Reise in Richtung Nordwesten fort, durch Reisfelder im Terrassenbau (der Reis wurde gerade erst gepflanzt) und zauberhafte Täler. Nachdem wir einen Bergpass passiert haben, fahren wir bis nach Lai Chau hinunter, eine von hohen Bergen umgebene aber triste Stadt, mit breiten Straßen und großen leerstehenden Regierungsgebäuden. Von Lai Chau fahren wir auf der Straße QL4D weiter nach Nordwesten in Richtung der Stadt Phong Tho. Dieser Straßenabschnitt ist in einem optimalen Zustand und führt über die hohen Berge bevor es wieder talwärts geht. Nach Phong Tho geht die Straße nach Südwesten weiter, zur Talsohle des Flusses Nam Na. Die Straße bleibt gut und die Etappe ist bis zur Gabelung des Nam ohne besondere Vorkommnisse. An der Flussgabelung biegen wir nach links ab (Richtung Osten) in eine unglaubliche Umgebung, auf einer etwas holprigen in den Berghang gebauten Straße voller Serpentinen mit atemberaubenden Aussichten. Die Talsohle ist immer in Sicht und der Dunst gibt diesem Abschnitt eine magische Note. Wir kommen auf die Hochebene von Sin Ho auf 1100 m Höhe. Die Berge um uns herum, die bebauten Felder und die Dörfer der ethnischen Minderheiten sind bezaubernd. Sin Ho ist ein kleines Städtchen, das nach Sonnenuntergang sehr kalt wird. Es bietet mehrere Möglichkeiten zum Übernachten, wir gehen ins Thanh-Bin-Hotel.

Sonntag 4. März, Sin Ho - Phong Tho (Lai Chau), 196 km
Die Sonne geht auf aber der Nebel und die Kälte bleiben und schaffen in dieser Landschaft eine märchenhafte Atmosphäre. Eine lange Strecke bergab bringt uns nach Phong Tho. Die Sonne kommt wieder durch, die Kälte lässt nach und ist nicht mehr so beißend. Der Nebel verzieht sich und wir sehen unzählige Wasserläufe mit im Tal verteilten Dörfern auf Pfahlbauten. Die Reisterrassen sind überall präsent. Wir gehen ins Hotel Lan Anh, um für die Nacht einzuchecken. Der an einem strategischen Punkt gelegene Komplex hat sicherlich bessere Zeiten gesehen, er ist von einem schönen Hof mit viel Grün umgeben, überwiegend aus Holz gebaut, die Zimmer sind bescheiden. Wir lassen das Gepäck dort und los geht’s auf eine zirka 80 Kilometer lange Rundfahrt nach Norden. Wir kommen zur chinesischen Grenze von Jinshuihezen. In Nam Cay angekommen, biegen wir nach rechts ab, wo eine steile Steigung uns schnell Höhe gewinnen lässt. Wir bleiben auf dem Bergrücken und kommen durch kleine Dörfer mit Reis- und Maisterrassen. Der Blick auf die uns umgebenden Berge ist beeindruckend, das Wetter ist schön sonnig. Auf der Höhe des Dorfes Si Phay sehe ich auf Google Maps ein gewundenes Sträßchen. Ein Schild weist auf „Frontier area“ hin – und wir unbedacht WEITER!!! Sofort beginnt die Betonstraße (böses Vorzeichen), dann ein bergab führender Schotterweg mit vielen Kehren und in schlechtem Zustand. Vor uns im Tal und jenseits des Flusses: CHINA. Wir kommen unten im Tal an. Zwei Typen mit kurzen Hosen und T-Shirts halten uns an, sie sehen genervt aus und lassen uns wenden, wobei sie auf ein Schild mit vietnamesischen Schriftzeichen zeigen. Wir nehmen den Google-Übersetzer zu Hilfe: Check Point Staatsgrenze. Ups…. wir sind in China… Nach einigen Telefonaten mit ihren Vorgesetzten lassen sie uns gehen. Wir fahren die Schotterpiste in die entgegengesetzte Richtung und den Kreis der Rundtour mit ihren atemberaubenden Panoramen schließend kommen wir unten in Phong Tho an.
Montag 5. März, Phong Tho – Sapa, 130 km
Am Morgen setzen wir den Weg nach Südosten fort und kommen durch Lai Chau und Cò Là. Wir bleiben auf der QL40 und beginnen die Steigung zum 1900 Meter hohen Pass Tram Ton, der schön verschlungenen höchsten Bergstraße Vietnams. Von rechts blickt der Berg Farsipan auf uns herab, mit seinen 3143 Metern die höchste Erhebung Indochinas. In der Nähe des Passes ermöglichen Aussichtsterrassen ein sicheres Anhalten in dem nicht abreißenden Verkehr schwerer LKWs. Der Ausblick in das Tal ist wunderschön, aber ich komme ins Zweifeln als ich viele Touristen am Pass sehe (die ich selten auf unserer Reise angetroffen habe). Zu Beginn der Bergabfahrt kommen wir an den schönen Wasserfällen von Thac Bac und Thac Tinh Yeu  vorbei. Die Einfahrt nach Sapa geht durch ein höllisches Wirrwarr, Baustellen, Staub, chaotischen Verkehr, bedrückend wirkende Bauten, Durcheinander, …. Panik!!! Seit über 17 Jahren reise ich nach Vietnam und bin nun das vierte Mal hier mit dem Ziel Sapa zu sehen. Aber … ICH WILL HIER RAUS!!! Mit Mühe nur kommen wir zum Hotel Charming, hübsch und zentral gelegen. Die Zimmer sind schön, hell und sauber und genau das, was wir brauchen. Wir stellen das Gepäck ab und drehen eine Runde, um uns mit der Stadt vertraut zu machen. In Sapa sind Menschen mit asiatischen Gesichtszügen in der Minderheit, hier sehen wir eher Kaukasier (Touristen), Superluxus-Hotels und Touristenläden. Aus dem Übel machen wir eine Tugend und nutzen die Gelegenheit, um am Abend zur „Belle Spa“ zu gehen, wo wir erst eine regenerierende Massage und anschließend ein leckeres Abendessen mit einer Vielzahl von Spießen genießen.
Dienstag 6. März, Sapa – Tung Qua – Sapa, 195 km
Heute machen wir eine Rundtour im Norden von Sapa. Als wir losfahren ist es kalt, um die 8 Grad, aber während wir den Berg hinunterfahren wird die Luft wärmer. Als wir in der großen Grenzstadt Lao Cai ankommen sind es bereits 30 Grad. Wir nehmen die DT156 in Richtung Nordwesten, die Straße folgt dem Tal entlang des Roten Flusses. Der Verkehr ist abgeebbt und es wäre schön dem Fluss zu folgen, wäre da nicht auf der Chinesischen Seite der Blick durch eine unheimlich große, umweltzerstörende und leere Autobahn auf Viadukten gestört. Das Tal verengt sich und die an Höhe gewinnende Straße wird kurviger. Vor uns sehen wir die chinesischen Berge und die Landschaft wird anmutiger. Als die Straße nach Süden biegt, wird sie unwegsamer und holpriger. Die Fahrbahn ist oft durch Schlamm blockiert, den der Regen und die Erdrutsche der letzten Wochen hinuntergespült haben, häufig gibt es Flussfurten (nicht unmöglich), das Panorama wird rauer und die wenigen Dörfer klammern sich an den Berghang. Zum Glück ist das Wetter auf unserer Seite. Die Vegetation hat sich gelichtet und es gibt weite Viehweiden und Terrassen, die für die Saat bereitet sind. Die Dörfer an der bergab führenden Straße nach Sapa liegen dichter aneinander und sind voller Leben. Kinder spielen haufenweise auf den Straßen oder baden in den Gräben. Wir fahren viele Umwege, wobei wir uns auf unmöglichen Straßen durch Reisfelder schlängeln, bei Dämmerung kommen wir in Sapa an.
Mittwoch 7. März, Sapa – Bac Ha, 175 km
Wir fahren zeitig los, ich fühle jetzt schon, dass Sapa mir nicht fehlen wird. Bevor wir in Lao Cai ankommen ist die Kälte schneidend. Wir nehmen die QL40 in Richtung Nordwest und befinden uns sofort in unserem „natürlichen Habitat“: Täler, Berge, Nebenstraßen und freundliche Menschen. Es geht sanft bergauf, der Weg ist nicht so schroff wie der gestern im Tal, aber nach jeder Kurve sind wir von neuem von der sich uns bietenden Aussicht fasziniert. In Murong Khurong schlagen wir eine andere Richtung ein, jetzt fahren wir nach Süden bis nach Hanoi. Am späten Nachmittag kommen wir in Bac Ha im Huy-Trung-Family-Homestay an und begeben uns sofort auf Entdeckungstour in Bac Ha. Von instrumentaler Musik angelockt gehen wir in eine Pagode hinein. Dort findet gerade eine Zeremonie statt, in der ein Junge vor einem Altar einen rituellen Tanz tanzt, wobei er immer wieder die Kleidung wechselt. Allen, auch uns, werden Geld und Zigaretten angeboten. Soweit wir verstehen können, scheint es sich um eine Art Initiation für den Eintritt in das Erwachsenalter zu handeln.
Donnerstag 8. März, Bac Ha - Thac Ba, 180 km
Diese Etappe führt uns zurück nach Hanoi, wir fahren nach Süden und lassen rasch die Berge hinter uns, die Straße wird sanfter, die Kurven weiter. In Tai Rieu machen wir einen Abstecher auf die DT152 und sind nun inmitten der Felder zwischen Sümpfen, Mais- und Reispflanzungen. Die Straße, die am Thac Ba entlangführt (einem See, der uns auf über 60 Kilometern begleitet), ist wunderschön, Dörfer voller Leben, Märkte. An einer Kreuzung halten wir an, angezogen von einem großen Zelt mitten auf dem Feld, aus dem Musik tönt. Wir werden sofort entdeckt und zum Mitfeiern eingeladen, bei Tänzen und Gesang – die Vietnamesen sind wirklich fantastisch. Überall wo wir durchgekommen sind beobachten wir, dass Kinder und Jugendliche mit Schuluniform und Schultasche um die Mittagszeit zur Schule unterwegs sind oder von ihr zurückkehren. Benommen von den Eindrücken dieser Menschen gelangen wir am See zu dem abgelegenen Vu-Linh-Homestay. Dort treffen wir eine Gruppe Skandinavier, die ebenfalls mit dem Motorrad unterwegs sind. Nach einem hervorragenden Abendessen, das von den Besitzern des Homestay vorbereitet wurde und benebelt vom Alkohol einiger (vieler) Flaschen… ja was war das eigentlich? Wahrscheinlich Reisschnaps … gehen wir in unseren Pfahlbauten ins Bett unter den Moskitonetzen, auch wenn ehrlich gesagt von Mücken keine Spur zu sehen ist, wenigstens in dieser Jahreszeit.
Freitag 9. März, Thac Ba – Hanoi, 160 km
Vom Vogelgezwitscher geweckt, mache ich die Fensterläden auf und mir bietet sich ein Ausblick… ich bin sprachlos. Wir sind um Seeufer, draußen auf dem Wasser dümpelt ein Fischer und überall um uns herum stehen tropische Bäume. Nach einem üppigen Frühstück nehmen wir unsere Reise nach Süden wieder auf, die Straße ist gut, der Verkehr mit LKWs und Bussen nimmt zu. Stefano hat eine Reifenpanne und ratet mal wo? Genau, vor der Reifenwerkstatt. Wir kommen in die Peripherie Hanois und erreichen schweren Herzens unsere Unterkunft, die Mayfair-Apartments. Wir geben unsere fantastischen unkaputtbaren Motorräder wieder bei Tigit ab und dann geht’s sofort ins Zentrum zum Abendessen und einem Spaziergang entlang des Hoan-Kiem-Sees.
“Ein spezielles Dankeschön der GIVI Vietnam und der Reiseagentur MOVE TRAVEL in Grezzana (VR), Italien“

Text: Fernando Erbisti – Paolo Cracco

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