Dual Do 28 Dezember 2017

Vuelta ao mundo Anfang Teil 1

Nachdem wir ein Jahr mit Vorbereitungen verbracht hatten, war der Tag der Abreise gekommen. Wir sind nicht wie geplant am Sonntag aufgebrochen, sondern etwas überstürzt an einem heißen August-Mittwoch, aufgemacht wie die Vagabunden. Wir hatten Zweifel, ob wir bei der Unmenge an Gepäck, die wir geladen hatten, mit den Motorrädern das Gleichgewicht halten konnten. Sogar die Hecktasche war nicht mehr zu sehen, so sehr war sie unter allem begraben.
Voller Stolz über das Projekt und die Ausrüstung – wir waren mit Sicherheit überladen – fürchteten wir, dass das die Maschinen von der Straße abbringen könnte.
Vor uns lag eine lange Reise bis nach Brasilien, über 4 Kontinente und durch 30 Länder.
Der erste Halt war an der Grenze zur Ukraine: Für uns auch eine psychologische Grenze, sie zu überqueren hieß alles hinter uns zu lassen. Und schon hatten wir unsere erste Begegnung mit einer unbekannten Sprache. Im Café der Tankstelle versuchten wir Frühstück zu bestellen, woraufhin uns eine Suppe gebracht wurde! Die war aber so köstlich, dass wir gleich noch eine Portion bestellt haben. Da wir die Grenze nach Osten schön früher überquert hatten, haben wir nichts anderes als eine Reise in die Vergangenheit erwartet, mit dem Ziel der neuen Grenzen zu Kasachstan und Usbekistan. Russland haben wir zügig durchquert. Die Zwischenstation in einem Hotel in der russischen Stadt Wolgograd hat uns an die Zeiten der Sowjetunion erinnert. Es ist unglaublich, wenn man sich vorstellt, wie viele Personen einst an einem solchen Ort gearbeitet haben, der nun fast bis zur Ruine heruntergekommen ist, mit Glasscheiben, die mit Klebeband zusammengehalten wurden, Wänden mit zwei abblätternden Tapetenschichten, Putz, der von der Decke des Bads abbröckelt, einer aus den Angeln gehobenen Badezimmertür und Steckdosen, die an ihren Kabeln aus der Wand baumelten. Nicht zu reden vom Wasser, das, statt im Abfluss zu verschwinden, direkt auf den Boden floss. Sicherlich der perfekte Ort für eine Fortsetzung des Films Hostel.

Kasachstan – Borat. An der Grenze empfängt uns der Grenzposten mit „Ok die Herren, willkommen in Kasachstan!“ mit einem so eigenartigen Akzent, dass wir schmunzeln müssen. Bis hierhin alles schön und gut, aber das Glück war nicht von langer Dauer. Wir haben einen ausgezeichneten Reiserhythmus vorlegen können, so dass wir die Stadt Beuneu an der Grenze zu Usbekistan mit fünf Tagen Vorsprung erreicht hatten. Hier stellte sich jedoch heraus, dass unser Visum nicht in Ordnung war und da wir nicht einreisen konnten waren wir gezwungen einen Umweg zu fahren, der uns zu den Stränden der Stadt Aktan am Kaspischen Meer geführt hat. Wir hatten keine Vorstellung davon, was uns erwarten würde. Kein Asphalt mehr, keine Häuser. Um uns herum nur Wüste mit Sträuchern und eine Straße in katastrophalem Zustand. Beim Durchqueren eines steinigen Terrains hatten wir eine Reifenpanne. Aufgrund von Straßenarbeiten sind wir einer Umleitung gefolgt und in tiefem Sand gelandet; wäre die Situation nicht so ernst gewesen, hätte man fast darüber lachen können. Es kam zu zahlreichen Stürzen, weil wir überladen waren und dazu gezwungen mit den Reifen auf schlechtestem Untergrund zu fahren und das mit unserer beschränkten Offroad-Erfahrung. Da zeigten sich schon die ersten Ermüdungserscheinungen auf unseren Yamahas, die ersten Schrauben lösten sich und einige Teile verbogen sich. Der Ausflug war vorbei, die Expedition begann!
Endlich haben wir Aktan erreicht mit dem Gefühl, die schlechteste Entscheidung unseres Lebens getroffen zu haben. Wenn wir jetzt zurückdenken, war dieser Weg durch die Hölle eine wichtige Erfahrung. Leb wohl Sand, lebt wohl Steine, wir haben uns mit Erleichterung von der Wüste von Kasachstan verabschiedet und die Grenze zu Usbekistan überquert.
Nun waren wir auf der legendären Seidenstraße.
Entlang der Strecke kamen wir an den Städten Chiwa, Buchara und Samarkand vorbei. Chiwa ist eine kleine, mittelalterliche Stadt, die von Mauern umgeben und reich an architektonischen Schönheiten ist. Für Buchara ist die Sandfarbe kennzeichnend, aus der das Türkisblau der Madrasa-Kuppeln herausragt (die Madrasa ist eine Art islamische Schule, wo Religions- und Rechtsunterricht erteilt werden). Das Durchqueren des Stadtzentrums mit den Motorrädern war sehr abenteuerlich, die alten Stadtviertel mit der Maschine zu durchfahren und dabei mit den Ellenbogen an den Mauern der Häuser entlang zu scheuern, hat in uns starke Emotionen geweckt. Samarkand ist anders, das Besondere an ihr ist, dass sie auf dem Spiegel eines Sees erbaut ist. Sie ist eine der ältesten Städte der Welt mit großen Gebäuden und breiten belebten Straßen.
In Usbekistan haben wir neue Interpretationen von „Hotel“ kennengelernt: Eine Nacht haben wir in einem alten Stall verbracht und eine auf Matratzen, die auf dem Dach eines Gebäudes ausgebreitet wurden.
Auch beim Umtauschen des Geldes machten wir neuartige Erfahrungen. Das Geld wird in einem verwirrenden Durcheinander auf dem Markt gewechselt und mit Sicherheit nicht vorschriftsmäßig. Wenn ihr 200 Dollar wechseln müsst, besorgt euch einen Rucksack für die enorme Menge Geld in lokaler Währung, die ihr dafür bekommt.
Trotz aller Probleme bleibt uns Usbekistan als sympathisch in Erinnerung.
 

Nicht weit von Samarkand hat vor uns plötzlich eine junge Frau die Straße überquert – wenn ein Hund vor einem auf die Straße läuft, ist das eine Sache, aber wenn es sich um einen Menschen handelt! Da wir mit 110 Stundenkilometern unterwegs waren, war die Vollbremsung so stark und heftig, dass das Vorderrad weggerutscht ist und einen verheerenden Sturz auf den Asphalt verursachte. Glücklicherweise ist noch mal alles gut gegangen, das Mädchen konnte unversehrt die Straße überqueren und durch den Schutz der Kombi (von einem aus der Gruppe mit dem Spitznamen Mannequin bezeichnet) hat ganze Arbeit getan und den Aufprall aufgefangen. Die Stoffhandschuhe haben wir weggeworfen, die Yamaha hat neue Dellen gehabt aber es muss lobend erwähnt werden, wie sie ansonsten den Sturz auf Asphalt gut überstanden hat. Das einzig wirkliche Problem hatten wir mit dem Schaft der vorderen Federung und das haben wir mit der Hilfe eines Bewohners der Stadt Taschkent behoben.
Nach diesem Unfall haben wir die Stoffhandschuhe durch Lederhandschuhe ersetzt.
Von Usbekistan sollte unser Weg über den Pamir Highway nach Tadschikistan führen aber aufgrund eines Aufstands haben uns die Militärstreifen daran gehindert weiterzufahren, so dass wir enttäuscht umkehren mussten. Nach dem Richtungswechsel sind wir in Richtung Kirgisistan gefahren, da die Grenze mit Tadschikistan geschlossen war und sich die nächste erst in 600 km Entfernung befand. Hier haben die ersten Bergetappen angefangen und statt im Stall oder unter freiem Himmel zu schlafen, haben wir uns für die Zelte entschieden.
Um das erste Lager zu erreichen, sind wir von der Straße Bischkek-Naryn eine 60 km lange Schotterstraße Richtung Westen gefahren. Der erste Teil führte durch ein malerisches, von hohen Berggipfeln umgebenes Tal. Die letzten 20 km waren anspruchsvoller, mit engen, steilen Straßen, Kurven und Steinen aber auch einem atemberaubenden Panorama. Hier konnten wir unsere Offroad-Erfahrung ausbauen. Auf der Hälfte angekommen, am See Song Koll, befanden wir uns auf 3055 Metern über dem Meeresspiegel und die Temperatur war sehr niedrig. Im Zelt hatten wir einen Heizofen, der aber nicht funktionierte! Am Morgen war uns klar, dass mit der Kälte nicht zu spaßen war und wir haben zusätzliche Kleidungsstücke unter die Kombi gezogen.
Wir haben Kirgisistan durch das Tash Rabat Tal verlassen, wo wir eine Gruppe von 10 Personen getroffen haben, mit der wir die Reise durch China nach Pakistan fortgesetzt haben. Von China haben wir wenig gesehen. Die Provinz Xinjang, durch die wir gefahren sind, war für uns in Wirklichkeit nur eine Durchgangsstraße, um nach Pakistan zu gelangen. Das richtige China, wie viele von uns es sich vorstellen, liegt unserem finnischen Freund zufolge im östlichen Teil des Landes. An der Grenze wurden wir durchsucht, alle PCs und Festplatten kontrolliert, die Messer konfisziert und wir haben uns dem Kampf mit der Bürokratie stellen müssen. Auf die erforderlichen Dokumente haben wir schlafend auf dem Parkplatz gewartet. Die Organisation, die uns dabei unterstützen sollte, hat sich als wenig professionell erwiesen. Die Stimmung der Gruppe war auf dem Tiefpunkt.
Nach fünf Tagen hatten alle Teilnehmer des internationalen Teams grottenschlechte Laune aber irgendwie sind wir doch an die Grenze Chinas zu Pakistan gelangt. Der Grenzposten kam uns entgegen und empfing uns mit einem fröhlichen „Welcome to Pakistan!” Nach der Erfahrung in China hat uns der herzliche Empfang wieder aufgebaut. Der Khunjirap-Pass befindet sich auf 4693 Metern Höhe und ist der höchste asphaltierte Grenzpass der Welt, er wurde auf dem Karakorum Highway in 20 Jahren konstruiert und hat 1000 Arbeitern das Leben gekostet. Er schien wie für uns Motorradfahrer gemacht zu sein. Den chinesischen Teil sind wir ohne Schwierigkeiten gefahren. Auf dem Gipfel sind wir durch einen Steinbogen gerollt, der Enthusiasmus war ohne Grenzen, wir haben den symbolischen Ort der ganzen Strecke erreicht. Aber das Beste kam auf der pakistanischen Seite. Nach dem Pass haben wir uns von der asphaltierten Straße verabschiedet. Am KKH (Karakorum Highway) wurden gerade Erneuerungsarbeiten durchgeführt, was uns noch einmal neue Aufregung beschert hat. Gerade mal einige hundert Meter und schon hatten wir die erste Umleitung, wir mussten an einem Berg neben einem großen Bach entlangfahren. Wir waren desorientiert, das Durchfahren eines Flusses war für uns ein Novum und entlang dieser Strecke gab es davon viele. Bei jeder Überquerung haben einige die Fotoapparate und Videokameras bereitgehalten um die anderen beim Durchqueren der Furt zu verewigen, nur um den Moment festzuhalten, wenn einer ins Wasser fällt. Zum Glück ist niemand baden gegangen! Diese Abschnitte mit Kies, Schlamm, Steinen und zum Teil Asphalt im spektakulären Panorama der KKH waren für uns ein reines Vergnügen.

Ein neues Abenteuer war die Überquerung des Attabad-Sees, der sich 2010 gebildet hat, als ein großer Bergrutsch zur Stauung des Hunza-Flusses geführt hat. Dieser überschwemmte den KKH auf einer Länge von 25 km und zerstörte sechs Brücken. Die Lösung war simpel: Um den See zu überqueren bot sich als einzige Möglichkeit die Fähre. Vom Ufer fährt man direkt mit den Motorrädern auf kleine Holzboote und während der Überfahrt ist es ratsam, sich mit den Beinen an die Holzpflöcke zu klemmen, die das Motorrad halten. Unsere Fährleute erfreuten uns mit Erzählungen von Autos, die wortwörtlich abgesoffen und in den Tiefen des Sees verschwunden sind!
Der KKH war nicht die einzige unglaubliche Bergstrecken-Erfahrung. Nachdem wir dem Chaos in Islamabad entkommen waren, indem wir uns in einem Hotel gerettet haben und auf wunderbare Weise verhindern konnten, von Autos und Bussen überfahren zu werden, sind wir nach Ladakh aufgebrochen.
Der Ladakh ist eine Region die zu Indien gehört, von dem jedoch ein kleiner Teil zwischen der Bergkette des Himalayas und dem Karakorum-Gebirge auf chinesischem Gebiet liegt. Man erreicht den Ort indem man eine spektakuläre Straße zurücklegt, beginnend von der Stadt Manali (2050 m über dem Meeresspiegel) bis hin zur Stadt Leh (3524 m). Die Gesamtstrecke beträgt 450 km, über viele Pässe und mit einigen Abschnitten auf 5000 Meter Höhe. Diese Straße ist die Etappe, die ich für Zweiradfahrer als „die höchste Herausforderung auf dem Dachs der Welt“ bezeichnen würde. Tatsächlich erreicht man beim Pass Khardung La 5606 Meter über Meereshöhe. Die vom Navigationsgerät angegebenen Höhen illustrierten den progressiven Anstieg der Pässe: 3978 m Rohang La, 5030 m Baralacha La, 5059 m Lachulung La und 5328 m Taglang La. Die Straße schlängelte sich in vielen Kurven zwischen farbigen Felsen hindurch, die von Wüsten- und Mondlandschaften abgewechselt wurden, in der typischen indischen Stille, wo man ganze Tage lang keine Menschenseele antrifft. Der Ladakh ist nicht nur ein indisches Paradies sondern auch das Paradies der Motorradfahrer – wenn man vom Mangel an Tankstellen absieht.
Wir hatten überall wo es möglich war, Benzin getankt und es teils auch zu überhöhten Preisen in Flaschen von Einheimischen gekauft. Mit der Ténéré sind wir auf Risiko gegangen und sogar 130 km in Reserve gefahren
Nachdem wir Nordindien verlassen haben, hat sich erneut Einiges geändert.
Die sechstägige Reise nach Nepal erwies sich als Albtraum. Hier gab es keine Straßenverkehrsordnung, am Straßenrand schliefen Menschen und Tiere, Autos und Motorräder kamen aus allen Richtungen und fädelten sich ein, ohne jemals den Rückspiegel zu benutzen. Jede Kreuzung war ein völliges Chaos. Zum Glück war die Situation in Nepal ruhiger und der Verkehr regulärer. In Kathmandu wartete der erste Flug auf uns.
Wir hatten erst vor, mit den Maschinen nach Tibet zu fahren, durch China bis nach Laos, aber leider erlaubt ein chinesisches Gesetz die Einreise von Gruppen mit mehr als fünf Personen mit derselben Nationalität nicht. Da wir nicht darauf warten konnten, dass dieses Gesetz geändert wird, haben wir die Motorräder auf einen Flug nach Bangkok aufgegeben, von wo aus wir in Richtung der thailändischen Inseln weitergefahren sind. Bevor wir auf der ersten Insel angekommen sind, ist die Kette eines Motorrads abgesprungen aber zum Glück fanden wir einen Mann, der eine alte Kette der gleichen Größe dabeihatte und er war auch noch Mechaniker! Nach diesem kleinen Abenteuer sind wir auf unserer ersten Insel angekommen: Koh Samui. Von diesem Etappenziel hatten wir lange geträumt, wir waren echt müde. Nicht nur körperlich sondern auch geistig erschöpft. Wir mussten etwas machen, um uns zu erholen. Auf den drei Inseln haben wir insgesamt 12 Tage verbracht: auf Koh Samui und Koh Phangan mit dem Motorrad, während wir auf der dritten Insel mit gemieteten Motorrollern herumgefahren sind, bei denen zu unserer Überraschung Offroad-Reifen aufgezogen waren, die auf Sand super liefen.

Ende Teil 1

Text und Foto: Lukasz Jastrzab

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