Enduro Sa 16 Februar 2019

MOTOTRIP 2019: DAS ENDURO-NEUJAHR MIT ZWEI SATTELFESTEN FRAUEN

Mototrip ist das Neujahrsereignis der schlammtauglichen Zweiräder und da der Jahresbeginn ein Fest ist, das gefeiert werden will, ist Mototrip ein Muss!

Eine Fete für den Stollenreifen, die seit 34 Jahren an jedem ersten Sonntag nach dem Dreikönigsfest steigt. Da kommt es schon mal vor, dass im Wald motorradfahrende Tiere in Kuschelanzügen an dir vorbeischnippeln und Krankenschwestern in Tanga und Cross-Stiefeln, die mit Lichtgeschwindigkeit über die Steine schießen.

Die sechshundert (ja wirklich: 600!) Teilnehmer des Mototrips nehmen sich nicht allzu ernst und das ist das Erfolgsrezept dieser Veranstaltung, die tatsächlich die älteste ihrer Art in Italiens ist.

Damit die Teilnehmer Spaß haben können, müssen dagegen die Organisatoren die Sache sehr ernst nehmen und gründlich planen, denn jedes Jahr eine Veranstaltung mit mehr als 600 Teilnehmern zu organisieren ist nicht ganz ohne. Vor allem wenn man bedenkt, dass der „Motoclub Racing Terni“ jedes Jahr 4 Strecken vorbereitet, zwei Enduro (Hard und Soft), eine Trial und eine für die Maxienduro und Retro-Bikes.

Wir haben uns für die letztere entschieden und festgestellt, dass es sich dabei nicht um eine softe Tour oder Adventouring handelt, sondern um eine richtige Endurostrecke für Maxienduros!

85-90 km echtes Enduro, inmitten von Felsen und Waldpfaden, auf denen das Fahren eines 200-Kilo-Moppeds Erfahrung erfordert und bei dem man sich im Klaren sein muss, dass die Maschine auch mal ohne große Panik auf dem Boden zu liegen kommen kann.

Mit der Maxi ist die Strecke eher schwierig zu fahren, auf einer richtigen Enduro Einzylinder ist sie dagegen sehr einfach zu bewältigen. Das hat einige Teilnehmer mit wenig Erfahrung oder mit irgendwie gearteten Handicaps dazu bewogen, sie trotzdem auf Enduro-Racing-Bikes zu fahren, um so der schweißtreibenden steinigen Hölle der wilden Apenninen Umbriens zu entgehen.

Diese Wahl haben auch Adele und Patrizia getroffen, zwei Frauen, die wir während der Tour kennengelernt haben und die zu den Gruppen „Lady Enduro Project!“ und „MX Girls“ gehören, zwei „rosa“ Motorradclubs in denen sich Frauen treffen, die sich zu Enduro bzw. Cross berufen fühlen.

Lasst euch nicht irreführen, Adele und Patrizia haben nicht die einfachste Strecke gewählt, weil sie Frauen sind! Diese beiden zeigen wieder einmal deutlich, wie absurd es ist, vom schwachen Geschlecht zu reden… Aber Adele ist eher Moppedfahren auf Cross-Pisten gewöhnt als Wald-und Wiesenpfade und da sie das Motorrad geliehen hat, hat sie vorgezogen, keine Schäden zu riskieren.Patrizia dagegen ist ein schönes Beispiel einer Mutter, die nach 3 Jahren Pause – die sie ganz den ersten Jahren ihrer beiden Kinder gewidmet hat – wieder auf das Motorrad steigt und das tut sie genau hier beim Mototrip!

Am Ende der Fahrt habe ich die beiden überredet, uns ihre Mototrip-Erfahrung zu erzählen und zusammen in einem kurzen Interview diesen Tag zu beschreiben und Enduro aus Frauensicht.

Adele: Dies ist das zweite Jahr, dass MX Girls und Lady Enduro Projecteingeladen sind, am Mototrip teilzunehmen und ich muss sagen, dass es jedes Jahr wieder ein tolles Erlebnis voller Emotionen ist.
Klar, ich bin Crossbikerin, wie der Großteil der Mädels vom MX Girls, während die Strecken des Mototrips für die Mädels vom Lady Enduro Project sowas wie das täglicheBrot sind.

Dario: Ich habe gehört, dass du deine Enduro-Taufe letztes Jahr genau hier beim Mototrip gehabt hast und mir wurde auch gesagt, dass es eine schwere Geburt war, stimmt das?

Adele: Erinner‘ mich nicht daranJ! Letztes Jahr habe ich mich zum ersten Mal auf eine Endurostrecke begeben und da ich kein angemeldetes Motorrad hatte, habe ich mir eine Maschine aus den 80er geliehen, von der ich den Namen schon wieder vergessen habe und die noch nicht einmal Stollenreifen hatte!!! Das war ein echt abenteuerliches Unterfangen, alles andere als Soft-Enduro! Mit Straßenreifen war jeder Sprung extrem, aber trotz allem habe ich es bis zum Ende durchgezogen!

Dario: Das glaub ich gern, dass das hart war!!! Ich habe gehört, dass wie immer beim Enduro, die Gruppe eine wichtige Rolle spielte, oder?

Adele: Klar! Es war echt hart und brachte mich an den Rand meiner Kräfte. Ich bin total erschöpft angekommen! Bei manchen Steigungen musste die „Schiebetruppe“ mich sogar mit Seilen hochziehen, aber die Strecke war wunderschön!

Dario: Dieses Jahr ist es viel besser gelaufen mit der 125er.

Adele: Ja, dieses Mal mit einer leistungsstarken Maschine, die meinen Bewegungen folgte und mir auf den verschiedenen Streckenarten half war es etwas ganz anderes!
Ich muss sagen, dass einige Felsen mich in Schwierigkeiten gebracht haben, wegen meiner völligen Unerfahrenheit auf diesen Böden, aber ich habe nicht den Mut verloren: Ich habe alle Abfahrten und Steigungen ohne Hilfe geschafft, aber vor allem habe ich die wunderschöne Landschaft genossen, die die Strecke bietet, mitten in der Natur.
Dieses Mal hat es mir wirklich Spaß gemacht und auch mit der Truppe, dem Führer (der legendäre Walter) und den Wegen war ich sehr zufrieden! Als Crossfahrerin muss ich sagen, dass die Natur und dieser Mototrip mich faszinieren!  

Dario: Patrizia, du dagegen gehörst zum Club „Lady enduro project” und wie Adele schon angedeutet hat, warst du sicher gleich in deinem Element!

Patrizia: Ja, wenn endlich das Wochenende kommt, kann ich’s gar nicht erwarten, den Helm aufzusetzen und in das „Wunderland“ zu starten – Dank des Enduros! Das größte Vergnügen waren die letzten Waldwege, ein bisschen schwieriger aber so richtig zum Genießen! Es war schön festzustellen, dass ich mich noch daran erinnere, wie man Motorrad fährt, trotz der Pause, die ich für meine beiden Kinder einlegen mussteJ.

Dario: Ich frage mich, wie Mütter das machen, alles geregelt zu bekommen – und dann noch das Mopped!

Patrizia: Es ist hart, ich bin eine fast 40 Jahre alte Mutter, habe zwei wunderbare Kinder, 1 und 4 Jahre alt und verbringe jeden Moment mit ihnen und meinem Freund, meine Familie ist mein ein und alles! Zum Glück war ich schon immer ein sehr dynamischer Typ und habe es immer geschafft mich aufzuteilen zwischen Arbeit (auch mal 3 Jobs gleichzeitig), den Reisen und der Familie. Aber da ich quasi in der Werkstatt meines Vaters aufgewachsen bin, ist das Motorrad ziemlich schnell meine größte und unverzichtbare Leidenschaft geworden.

Dario: Hat sich mit den Kindern für dich etwas geändert?

Patrizia: Wenn ich ehrlich bin, macht mir jetzt manchmal die Vorstellung, dass meine Kinder zu Hause sind und ich mich verletzen könnte, ein bisschen Angst, wenn ich zu einer Fahrt in Feld und Flur aufbreche. Aber die Leidenschaft ist zum Glück größer als die Angst und daher finde ich mich oft wie von Zauberhand in meiner fabelhaften Welt der zwei Stollenreifen wieder!

Mit Patrizia und Adele sind wir die ganze Tour zu Ende gefahren, die wie sie schon sagten, ein Naturspektakel war.

Zusammen haben wir herrliche Buchenwälder durchquert, durchschnitten von den von uns heißgeliebten Pfaden, verlassene Siedlungen, wo immer noch Schweine freilebend gehalten werden, so dass du meinst, du wärst in Albanien.

Die Pause haben wir im Ort Cottarello genießen können, mit seiner Einsiedelei und mit der Bar, wo ein Foto des ersten Mototrips an der Wand hängt, der im fernen 1986 genau dort zum Tanken hielt – und heute ist das noch genauso!

Die Neujahrsfete der Stollenreifen ist also vorbei! Wir haben 12 Monate voller Spaß vor uns, MACHEN WIR DAS BESTE DRAUS!

Text und Fotos: Dario Lupini