Test und Vorschau Di 20 März 2018

Benelli TRK 502

Motorräder im Winter zu testen ist nicht immer unproblematisch: Es regnet, es ist kalt, der Asphalt hat wenig Grip, der Fotograf beschwert sich, weil das Licht nicht optimal ist – im Großen und Ganzen hat man fast Lust, es sein zu lassen und auf den Frühling zu warten.
Benelli hat uns die TRK 502 für eine begrenzte Zeit für den Test überlassen und hier in der Toskana waren die Wetterverhältnisse seit Tagen genauso, wie gerade beschrieben. Wir brauchten eine Alternative und die Motor Bike Expo in Verona war vielleicht die Lösung: Zwei Tage für den Messebesuch und dann noch zwei Tage Probe fahren, in den Hügeln, wo die Trauben des Proseccos und erlesener Weinsorten angebaut werden.
Um zu der Stadt der berühmten römischen Arena zu gelangen, habe ich mir über 300 km Autobahn bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt aufgehalst. Da war der Adventure-Anzug von Alpinestars von großer Hilfe, denn er hat mir die Reise ermöglicht, ohne dass ich aufgrund der gefürchteten Kälte frieren musste. Nach gerade mal 20 Kilometern prasselt ein starker Hagelschauer auf die Autobahn herab, begleitet von Blitzen und Donnerschlägen. Ich schaffe es gerade noch, mich unter eine Brücke zu flüchten und bleibe glücklicherweise trocken. Dieses Unwetter schien wie ein letztes Aufbäumen der bereits seit Tagen andauernden Schlechtwetterlage und tatsächlich beginnt nach weniger als 5 Minuten die Sonne zu strahlen, die mich dann auf meiner gesamten Reise nicht mehr verlässt.

Der neue Zweizylindermotor mit 500 cm3 mit dem diese Benelli ausgestattet ist, ist sehr linear und progressiv, zieht immer gut durch und lädt bei Strecken, auf denen Kurven und Geraden sich abwechseln, dazu ein höherzuschalten. Aber auch wenn man enge Kurven mit einer zu großen Übersetzung nimmt, hilft das exzellente Drehmoment, den Fehler zu korrigieren, und die Maschine zieht wieder kontinuierlich an. Wenn sich dagegen die Gelegenheit bietet, sie auszufahren und gewisse Geschwindigkeiten überschritten werden, macht sich der Bedürfnis nach einem zusätzlichen Gang bemerkbar, da der Zweizylinder dann keinen Spielraum mehr hat. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass man auf einem Motorrad mit relativ kleinem Hubraum sitzt.
Wenn von einer „Adventure“ die Rede ist, sind lange Fahrten vorprogrammiert, daher ist der Test des aerodynamischen Schutzes wesentlich, welcher in unserem Fall durch ein breites Plexiglas gewährleistet wird. Dieses bietet einen optimalen Schutz in dem gesamten Bereich, der vom Fahrer eingenommen wird. Auf Höhe des Helmes bilden sich keine Turbolenzen, welche lästig wären, da nicht nur ihre Geräuschentwicklung stört, sondern bei längeren Strecken die Nackenmuskeln ermüden. Da ich einen Caberg-Tourmax-Marathon-Helm trage, hätte dieses Problem durch den Schirm verstärkt werden können. Stattdessen bleibe ich hinter der Windschutzscheibe und kann die Fahrt entspannt und bequem genießen. Der Komfort dieses Motorrads wird auch durch die gut geformte Sitzbank mit seiner medium-weichen Dichte bestätigt, durch die breiten mit Gummi-Belägen versehenen Fußstützen, die Vibrationen dämpfen und nicht zuletzt durch den mit Risern ausgestatteten Lenker, welche die Einstellung der Position und des Abstands vom Sattel ermöglichen.
Der Rahmen ist ein Strukturgeflecht aus Stahlrohren mit hoher Widerstandsfähigkeit, welche auch den mit einem Monostoßdämpfer verbundenen Schwingarm kennzeichnet, der von außen über die Federvorspannung reguliert werden kann. Die Federgabeln mit 50 mm Durchmesser und einem Federweg von 145 mm kamen uns zu Beginn der Fahrt etwas weich vor, ein Eindruck, der sich bereits nach nur wenigen Minuten Fahrt zu ändern begann, und am Ende haben sie sich auch auf den kurzen Schotterwegstrecken, die wir ausprobiert haben, als effizient erwiesen.

Treffen mit den Enduristen!
Für den Mittag hatte ich ein Treffen mit einer Gruppe von Enduristen aus Verona geplant, das ich mir nicht entgehen lassen wollte. Diese lieben es, samstags die Täler zu durchkurven um dann unweigerlich in einem Lokal mit traditioneller regionaler Küche zu landen, wo sie die Beine unter die Tische gestreckt den gelungenen Tag feiern. Mit ihnen wollte ich mich treffen, habe aber keinen Ort dafür vereinbart und beginne so, meinem Instinkt folgend umherzufahren, so dass ich bis in das Tal Val di Mezzane vorstoße und unzählig viele verschlungene Sträßchen entdecke, deren Befahren viel Spaß macht. Ich merke, dass ich ein gutes Feeling für die Maschine entwickelt habe, als ich den Seitenständer über den Asphalt scheuern höre und mein Adrenalinspiegel blitzartig ansteigt. Eigentlich war es der Ständer der etwas hervorsteht, aber egal, in diesem Moment fühle ich mich wie ein großer „Kurvendrücker“. Im Ort Castagnè entdecke ich Motorräder, die vor dem Schild eines Restaurants geparkt sind: Ziel erreicht, ich habe die Enduristen gefunden! Erst um vier Uhr nachmittags stehen wir wieder vom Tisch auf!

Die Linien und der Stil dieses Motorrads sind ein gelungener Mix, der die Formen der zurzeit angesagtesten Duals nachzeichnet: Das Vorderteil wird von einer imposanten Kotflügelpartie dominiert, auf dem die überwiegend mit LED realisierte sehr effiziente Scheinwerfergruppe aufliegt.
Eine Verkleidung mit kantigem Design bedeckt den 20-Liter-Tank, der bei der Gangart dieses 48-PS-Motors eine respektable Autonomie bietet.
Der hintere Bereich ist bereits für die bequeme Anbringung von Seitenkoffern und dem Topcase vorbereitet, diese Accessoires gibt es als Optionals gegen Aufpreis.
Die Bremsanlage ist am Vorderrad einer schwimmend gelagerten Doppelbremsscheibe mit 320 mm Durchmesser anvertraut mit 4-Kolben Radialbremszange, welche starke und gut anpassbare Leistungen gewährleistet. Hinten dagegen ist die Wahl auf eine 260-mm-Scheibe mit Kolben Bremszange gefallen. Was die aktive Sicherheit betrifft, finden wir hier das unverzichtbare ABS aber darüber hinaus gibt es keine elektronischen Vorrichtungen, die wir aber aufgrund des sanftmütigen Charakters dieses Adventure-Motorrads auch nicht vermisst haben.

Abschließend können wir sagen, dass wir diese Benelli als optimalen Kompromiss empfunden haben. Das Motorrad ist leicht zu steuern, sowohl auf Straße als auch im Gelände, ist sehr bequem und bietet ausreichend Autonomie, auch um lange Reisen planen zu können. Darüber hinaus rühmt sie sich eines wahrhaft attraktiven Preises, € 5.590, was praktisch die Hälfte von dem ist, was der Markt üblicherweise für Modelle dieses Segments bietet. Auch wenn sie in China zusammengesetzt wird, das Know-How ist hundertprozentig italienisch und jedes einzelne Kraftrad wird bevor es auf den Markt gelassen wird im Werk in Pesaro einer strengen Kontrolle unterzogen.
Keine Makel und keine Lobhymnen – aber der Preis ist verlockend!

Text: Pietro Bartolomei
Fotos: Marco/Alessia

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