Test und Vorschau Mi 17 Oktober 2018

SWM SUPERDUAL X: DARAUF IST VERLASS!

Wir sind am Start der Harditaroad 2018 , einer zweitägigen Marathon-Tour für Maxi-Enduros, welche über gut 60% Waldpfade, Schotterpisten und Feldwege und 40% geteerte Straßen Trient mit Triest verbindet. Während der Tagesetappen und einer langen Nachtstrecke dienen GPS-Tracks zur Orientierung. Welche Gelegenheit könnte besser sein, um die neue SWM SUPERDUAL X, die Neuheit aus dem norditalienischen Werk in Varese auszuprobieren?

Der erste Eindruck ist der eines in seinen Dimensionen kompakten Motorrads, mit nur den wichtigsten Bordinstrumenten. Für den geländegängigen Look sorgen großzügige Handprotektoren, Motorschutz-Stangen und das 21-Zoll-Vorderrad. Dazu kommen Windschutzscheibe, Mittelständer, leistungsstarke LED-Scheinwerfer und Gepäckträger für längere Reisen. Wem diese Serienausstattung nicht zu reichen scheint, der kann sie mit dem GT PACK vervollständigen, zwei geräumigen harten Seitenkoffern zu 33 Liter mitsamt Vorrichtung, an der sie an die Maschine gehängt werden können.
Auf den Bergstraßen Trients leistet ihre Manövrierbarkeit gute Dienste und im normalen Stadtbetrieb windet sie sich agil durch den Verkehr. Ihre 169 kg sind gut ausbalanciert und ermöglichen behände Richtungswechsel, die 18 Liter Benzin im Tank hindern in keiner Weise beim Steuern und gewähren eine ansehnliche Autonomie bis zum nächsten Tankstopp, während die Brembo-Bremsen und das ABS vorne und hinten Kurveneinfahrten effizient unterstützen. Bei hohen Geschwindigkeiten verhält sich der Vorderbau stabil und das hohe Schutzblech verursacht weder Turbolenzen noch Schlingern. Leider ist bei mehr als 4000 U/min. deutlich das Vibrieren des Motors zu spüren, was den glatten flüssigen Lauf beeinträchtigt.  
Nach einer ganzen Reihe von Serpentinen biegen wir auf den ersten Geländepfad; Zeit, über den bequemen Schalter am Lenker das ABS am Hinterrad zu aktivieren und die Offroad-Qualitäten des Motorrads zu testen!
Auf sandigen und schotterbedeckten Wegen bleibt sie stabil, der 600-Kubik-Motor bringt eine Leistung von 40 kW (54 PS), so dass das Motorrad nicht gerade Ähnlichkeit mit einem zu zähmenden Wildpferd hat, daher ist es zwischen einem Kurvendrift und dem nächsten leicht zu handhaben. Meiner Meinung nach ist der Zahnkranz sogar ein bisschen zu klein, was das Motorrad bei kleinen Umdrehungszahlen und beim Beschleunigen zu träge macht, aber auch wenn ihr einen zu großen Gang fahrt, lässt der Motor euch nicht im Stich und ihr kommt am Ende der Steigung an! Anzumerken ist, dass es den gleichen Motor auch mit weniger Leistung zu 26 kW (35 PS) gibt, ideal also für Inhaber des A2-Führerscheins!

Der Untergrund ändert sich, ich habe jetzt mit Wurzeln und Trampelpfaden mit beweglichen Steinbrocken zu tun. Anfänglich traue ich den Federungen nicht ganz über den Weg, sie schienen mir der Strecke nicht gewachsen zu sein, aber ich muss gestehen, dass das Federbein mit 45 mm Durchmesser und hydraulischer einstellbarer Zugstufendämpfung und die hintere Federung, deren Ausdehnung und Vorspannung mit Klicks reguliert werden können, ganze Arbeit machen! Ihr dürft nicht die Leistungen der marktbesten Federungen erwarten, aber die Unebenheiten werden durchweg gut gedämpft ohne plötzliches Ausbrechen oder Bocken.
Der Lenker ist breit wie bei einer “echten” Enduro und sorgt für gute Kontrolle, die Sitzbank dagegen liegt zu tief und ist eher für Touring-Zwecke geschaffen, sie lässt Bewegungen zur Gewichtverlagerung nach vorne und hinten nicht zu. Auch das Aufstehen auf den Fußstützen ist nicht so leicht, insgesamt kann man sagen, für einen 1,80 m großen Fahrer wie mich ist das Motorrad etwas klein.
Der erste Tag neigt sich seinem Ende zu, aber Ruhe gibt es nur wenige Stunden: Um ein Uhr nachts geht es wieder los zur Nachtetappe! Zum Halogenscheinwerfer schalte ich noch das LED-Fernlicht an so dass ich die Steine und Wurzeln im Wald gut sehen kann und auch der Bordcomputer mit seinen minimalen aber essentiellen Funktionen ist gut erleuchtet und sichtbar.
Kilometer um Kilometer… Stein um Stein… Stunde um Stunde… um 2 Uhr nachmittags überfahren wir die Ziellinie der Hardita, und beenden so diesen tollen Marathon auf der Piazza Unità d’Italia, mitten in Trieste! Auch ich habe mein Ziel erreicht und mir eine Meinung zu diesem Motorrad bilden können: Das Adjektiv, das es am besten beschreibt, ist VERLÄSSLICH!

Verlässlich, weil diese SWM Superdual X keine Höchstleistungen und Hi-Tech-Ausstattung verspricht, die auf den teureren Maschinen der neusten Generation inzwischen zum Pflichtprogramm gehören, sondern problemlos ihre Schuldigkeit tut. Ein Motorrad für alle Fälle, das man mit seinem ruhigen aber loyalen Motor sowohl auf der Straße als auch im Gelände gebrauchen kann. Dank seines Zubehörs und seinen maßvollen Dimensionen ist es sowohl für längere Touren aufs Land als auch für den alltäglichen Gebrauch in der Stadt für den Weg zur Arbeit geeignet…. Ich muss sagen, dass die Techniker aus Varese mit viel Engagement und Hingabe an diesem 100% „Made in Italy“-Projekt gearbeitet haben, von der Entwicklung auf Papier bis zu den ersten Prototypen, die es dann auf die Montagekette geschafft haben, wo heute die Serienmaschinen zusammengebaut werden, die ihr nun beim Händler findet.

Preis: € 7.300

Text: Marco Dugato

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