Woman's world Do 26 April 2018

Auf den Spuren der Dakar REISE DURCH SÜDAMERIKA

PROLOG

Darf ich mich vorstellen: Silvia Giannetti, geboren am 6. Mai 1972 in Grossetto in der Toskana. Damit ihr verstehen könnt, was mich dazu gebracht hat, zu diesem neuen Abenteuer aufzubrechen, muss ich etwas ausholen und kurz die wichtigsten Momente erzählen, die im Laufe meines Lebens zur Entstehung dieser ungebändigten Motorrad-Leidenschaft geführt haben. Schon als ich zehn Jahre alt war, wich ich zusammen mit meiner Schwester meinem Onkel Mauro nicht von der Seite, wenn er sich damit vergnügte, mit einer SWM über die vielen Gräben meiner geliebten Maremma zu springen. Sobald ich dann das Piaggio-Mofa „Ciao“ meines Opas fahren konnte, habe ich es mir angeeignet, um zusammen mit meiner Clique den Ort und die nähere Umgebung unsicher zu machen. Das ging so lange, bis ich alt genug war, um eine 125 ccm fahren zu können. Durch viel Verzicht und Jobs jeglicher Art, konnte ich 1986 diesen Wunsch endlich verwirklichen und wurde stolze Besitzerin einer Aprilia Tuareg. Im Laufe der Jahre habe ich eine Ténéré 660 erstanden und dann eine Africa Twin 750.

Die Passion für Afrika entstand 1999 während einer Reise nach Marokko mit meiner Zwillingsschwester Stefania. Nachdem mich die Eindrücke der Wüstenreise nicht mehr losließen, kaufte ich im Jahr 2000 eine Yamaha TT 600 und brach zu den tunesischen Dünen auf!
Später dann, als Fabio Fasola in der Toskana Fahrer für die Führung von Gruppen suchte, begann ich zusammen mit meiner Schwester, für die KTM-Adventurtour als Tourenleiterin zu arbeiten.
2004 reiste ich auf einer von Fabrizio Meoni organisierten Tour erneut nach Tunesien. Als Fabrizio gesehen hat, wie locker und ungezwungen ich auf Sand fahre, riet er mir, es mit Rallyes zu versuchen. Bis dahin war mir diese Möglichkeit nicht annähernd in den Sinn gekommen, aber ich war bereits so vernarrt in die Maschinen, dass es nicht viel brauchte, um mich dazu zu bringen, in die Welt der Rallyes einzusteigen.  
Durch das Urteil Meonis ermutigt und mit einer beträchtlichen Portion Enthusiasmus und Passion gewappnet, fuhr ich 2004 mit einer von Boano Racing gestellten Beta 400 mit erweitertem Tank die Rallye von Tunesien. Am meisten ist mir von dem Rennen die schwierige Etappe El Borma – Ksar Ghilane auf Sand in Erinnerung geblieben, auf der ich mich als neunzehnte von über 80 Teilnehmern platzierte. Durch das gute Ergebnis bestätigt, nahm ich dann bei der Pharaonen-Rallye in Ägypten, der Rallye von Dubai und der von Marokko teil und erreichte jedes Mal den ersten Platz unter den Frauen und schnitt auch gegenüber den Männern nicht gerade schlecht ab.  
2008 meldete ich mich das erste Mal zur Dakar-Rallye in Afrika an. Leider wurde das Rennen aufgrund des Terror-Risikos sechs Stunden vor Aushändigung der Road-Books abgesagt. Die unendliche Enttäuschung über die Absage des Rennens sollte jedoch nicht der einzige Kummer in diesem Jahr bleiben. Bei einem Sturz während des Trainings erlitt ich einen komplizierten Bruch des Oberarms und von acht Rippen mit Perforation eines Lungenflügels und riskierte sogar das Schlimmste. Ich konnte nur mit großer Mühe gefunden werden und erst viele Stunden nach dem Unfall konnte ich ins Krankenhaus gebracht werden. Ich bin unendlich dankbar für die kompetente Behandlung durch Dr. Edoardo Crainz und das Personal des Krankenhauses von Siena. Es begann eine lange Phase der Rehabilitation. Während der acht Monate widmete ich mich Physiotherapiebehandlungen und Wassertherapien. Die Schnelligkeit, mit der meine Knochen wieder zusammenwuchsen und mit der ich meine körperlichen Fähigkeiten wieder zurückgewann, wurde von den Ärzten als Wunder bezeichnet. Es besteht aber kein Zweifel, dass in dieser Lage die Willenskraft, Determination und das große Verlangen, wieder meiner Leidenschaft nachgehen zu können, eine entscheidende Rolle gespielt haben.
Sobald ich in der Lage war wieder auf den Motorradsitz zu steigen, nahm ich unter den erstaunten und auch ein wenig skeptischen Blicken meiner Freunde und Bekannten, mein erstes Ziel in Angriff: den Rucksack nehmen und alleine nach Tunesien reisen, um Körper und Geist zu testen. Nachdem ich mich davon überzeugt hatte, dass ich noch in der Lage war, den physischen und psychologischen Stress dieser Art von Abenteuer durchzustehen, meldete ich mich 2009 für die Pharaonen-Rallye an mit dem weiteren Ziel Dakar 2010.
Bei meiner ersten Argentinien-Chile-Dakar 2010 platzierte ich mich auf den zweiten Platz der Kategorie Frauen und dem 69. in der Gesamtwertung. Ein überaus ansehnliches Ergebnis, wenn man bedenkt, dass ich kein Team hatte, mit einer Serienmaschine fuhr, den Mechaniker mit zwei anderen Fahrern teilen musste und in einem Zelt im Schlafsack übernachtete. Es folgte eine lange inaktive Zeit, aufgrund von verschiedensten Widrigkeiten, unter anderem Gesundheitsproblemen meines Vaters, die Trennung von einigen wichtigen Sponsoren und eine neue Beziehung, die mich für fünf Jahre vom Fahren fernhalten sollte. Daher beschloss ich, meine Aufmerksamkeit anderen Zielen zuzuwenden. Es stand jedoch nicht in den Sternen, dass meine Aktivitäten mit dem Motorrad auf diese Art und Weise enden sollten. Begünstigt durch eine weitere Enttäuschung in meinem Gefühlsleben überkam die Leidenschaft, die nur vorübergehend und unfreiwillig gebändigt war, mich aufs Neue und brachte mich auf den Motorradsitz.
Es sind allerdings nicht mehr die Rhythmen der Rennen, die meine Tage bestimmen, auch wenn mir die Kulisse der südamerikanischen Dakar bleibt.
Ich entschließe mich, alleine mit meiner KTM990 zu einer zweimonatigen Reise aufzubrechen, und auf den Spuren meiner persönlichen Dakar über 18000 Kilometer zurückzulegen.

DIE SÜDAMERIKA-REISE
DIE REISE

Die Reise war so organisiert, dass das Motorrad mit dem ganzen Gepäck in einem Container auf dem Seeweg reisen würde, während ich mit dem Flugzeug nachkommen würde.
So bringe ich meine KTM990 am Morgen des 10. Oktobers mit der Zelttasche und dem Schlafsack nach Viterbo, wo Ermanno und Giovanni sich um die Abwicklung der Zollpapiere und den Container kümmern. Die Maschine wird von Genua aus abgeschickt und kommt nach ungefähr einem Monat Überfahrt in Chile in Valparaíso an. In der Zwischenzeit breche ich am 15. Dezember in Rom mit dem Flugzeug auf mit Ziel Santiago. Meine Streckenplanung sieht vor, dass ich in Richtung Süden bis nach Feuerland fahren würde, überwiegend auf Nebenstraßen und Schotterwegen. Die Reise beginnt in Valparaíso, wo ich in einer Jugendherberge übernachte, welche die Organisatoren des Motorradtransportes gebucht haben.
Dort lerne ich andere Motorradfahrer aus Italien kennen, die ein ähnliches Reiseprogramm haben, wie ich: Antonio aus Mailand, Alberto aus Modena und Dino und Giovanni aus den Abruzzen. Am darauffolgenden Morgen fahren wir 20 Kilometer zum Hafen Porto Secco, um die Maschinen abzuholen und nachdem wir zwei Tage damit verbracht haben, Motorräder und Gepäck vorzubereiten, brechen wir zusammen in Richtung Süden auf. Wir reisen zwischen Anden und Ozean, und stellen schnell fest, dass wir verschiedene Vorstellungen von der Tour haben. Die anderen schlafen gerne lange und fahren daher erst sehr spät los. Abends halten sie wiederum ziemlich früh an, um in Hotels zu übernachten und in Restaurants zu essen, die für meinen Geschmack zu teuer sind: im Großen und Ganzen also eine total andere Einstellung zum Reisen als ich! So setzt sich Antonio nach zwei Tagen von der Gruppe ab während ich noch drei weitere Tage bleibe, um dann letztendlich auch alleine weiterzufahren.
Nachdem ich mich von ihnen getrennt habe, lege ich auf der Carretera Austral 300 Kilometer Piste durch Landschaften zurück, deren Felder von wilden Tieren und ungezähmten Pferden bevölkert sind. Raubvögel und Papageien begleiten mich fliegend, ich erlebe atemberaubende Landschaften vor dem Hintergrund der Andengletscher und des stürmischen Meers, entlang der Fjorde, zwischen Seelöwen und -elefanten.
Während ich die Ruta de los Siete Lagos, die Sieben-Seen-Route, entlang fahre, sehe ich auf der Höhe von Pucon den Hinweis auf einen Motorrad-Campingplatz. Ich beschließe dort Rast zu machen und lerne auch da einige Motorradfahrer kennen, die aus allen Teilen der Welt kommen. Auch der sympathische Campingplatzbesitzer, Cristian, ist Motorradfahrer und hat über 5 Jahre mit seiner BMW GS1200 alleine 175 Länder der Welt bereist.
Auf der Weiterfahrt nach Süden auf der Carretera Austral in Höhe Villa Santa Lucia hält mich ein Erdrutsch auf, der die Straße blockiert. Die einzige Möglichkeit durchzukommen, ist das Boot, mit dem das Motorrad auf die südlich Seite des Erdrutsches gebracht werden kann. Ich warte bis um 23.00 Uhr auf das Boot und während der langen Wartezeit kommen noch andere Motorradfahrer zum Verladeplatz. So lerne ich Adrian aus Cordoba kennen, Manuel aus Buenos Aires und die Brüder Carlos und Gonzalo aus Lima. Nachdem wir übergesetzt sind, beschließen wir, gemeinsam in Richtung Ushuaia zu fahren. Eine nur kurz andauernde Allianz, denn nach kurzer Zeit trennen wir uns wieder aufgrund der verschiedenen Bedürfnisse und Rhythmen, auch wenn ich einige von ihnen während der Reise noch wiedertreffen und kurze Strecken zusammen fahren sollte.

Es geht immer weiter nach Süden und ich lasse mich in einem Landstrich entlang des Meeres mit wunderschönen bunten Pfahlbauten so von der Umgebung ablenken, dass ich eine Tankpause verpasse und Gefahr laufe, ohne Kraftstoff zu bleiben. Ich halte an und frage den Besitzer eines an der Straße liegenden Hauses, ob er mir helfen könnte. Leider fahren alle seine Fahrzeuge mit Diesel aber er erzählt mir von jemand anders, der mir wahrscheinlich helfen und ein paar Liter des wertvollen Treibstoffes verkaufen könnte. Ich finde den Mann, den er meinte, und der hilft mir gerne weiter. Ich werde ihn später auf meiner Reise wiedertreffen, in 30 Tagen und 2000 Kilometern Entfernung.

Text und Fotos: Silvia Giannetti

Erster teil

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