Woman's world Mi 02 Mai 2018

Auf den Spuren der Dakar REISE DURCH SÜDAMERIKA Zweiter teil

Ich durchquere Chile komplett, von Feuerland bis zum äußersten Norden an der Grenze zu Peru und Argentinien. Von Ushuaia begebe ich mich in Richtung Norden auf die Ruta 3, besuche die Halbinsel Valdés, und fahre die Argentinische Küste hinauf. Eine unheimlich lange und monotone Strecke mit starkem Wind, und wegen der Eintönigkeit und meiner Müdigkeit wäre ich fast eingeschlafen und von der Straße abgekommen. Am späten Nachmittag desselben Tages, als ich wegen der langen Etappe total erschöpft bin, suche ich vergeblich eine Unterkunft für die Nacht. An den Tankstellen, bei denen ich gehofft hatte, unterzukommen, werde ich durchweg abgewiesen, so dass ich immer weiterfahren muss. Endlich bekomme ich einen tröstlichen Tipp: Ca. dreißig Kilometer von meiner jetzigen Position gäbe es ein Dorf, wo ich unterkommen würde. Es ist schon neun Uhr abends und gerade als ich mich frustriert daran mache, in die mir gezeigte Richtung aufzubrechen, hält ein Motorradfahrer, der mit seiner Frau unterwegs ist, neben mir an und lädt mich ein, ihm bis zu seinem Motorradclub in Caletta Olivia zu folgen. Dort treffe ich noch andere Motorradfahrer die mich herzlich aufnehmen und ich kann für zwei Tage unterkommen. Als ich dann in Argentinien weiter nach Norden fahre, besuche ich einen Freund aus Buenos Aires, der Motorradfahrer und Jockey ist, und der mich einige Tage in seinem wunderschönen Haus auf dem Lande aufnimmt, wo er seinen Urlaub mit Frau und Sohn verbringt. Ich kann die Gegend zusammen mit ihm erkunden, wofür ich das Motorrad stehen lasse und auf das Pferd wechsle.
Ich breche wieder auf und setze die Reise in Richtung Cordoba fort, wo ich die peruanischen Motorradfahrer und Adrian wiedertreffe. Ich verbringe einen herrlichen Abend mit ihnen, dann wird wieder aufgesessen und es geht nach Norden. Ich fahre weiter in Richtung Rosario, wo ich für drei Tage bei meinen alten Freunden Andrea und Claudio zu Gast bin, fanatischen Motorradfahrern und Dakar-Freaks, wir haben uns viel zu erzählen.

Von dort fahre ich weiter mit Ziel Salta und Paso de Jama. Wie schon häufig auf dieser Reise, habe ich einen Platten und dieses Mal passiert es gleich hinter der Grenze zwischen Chile und Argentinien, auf zirka 4800 Meter Höhe. Ich komme in einen Schneesturm. Im Schneegestöber fahre ich noch sieben Kilometer weiter bis ich zur Grenze zwischen Chile und Bolivien gelange. Die Zollbeamten, denen die beängstigenden Wetterverhältnisse Angst eingejagt haben, lassen mir freundlicherweise für die Nacht das Zollamt als Quartier. Aufgewärmt und gestärkt wechsele ich am nächsten Morgen den Schlauch und finde 40 km weiter in San Pedro De Atacama einen Reifenmechaniker, der mir den Reifen vulkanisiert. Endlich in Calama, einer herrlichen Stadt am Meer, angekommen, schaffe ich es, einen KTM-Händler ausfindig zu machen und einen neuen Reifen zu kaufen
Eines der größten Probleme, mit denen ich klarkommen muss, ist die Höhenluft. Ich hatte geplant, bis zum Paso Sico hochzufahren, wo der höchste Zug der Welt fährt, “der Wolkenzug”. Tagsüber leidet man auf erträgliche Weise unter der Höhe aber nachts wird sie zur Qual. Daher kauen die Andenbewohner ja auch Koka. Auch ich besorge mir welches, man kann es frei in kleinen Tüten am Kiosk in der Stadt kaufen. Trotzdem traue ich mich aber nicht, bis zum Pass hochzufahren. Nachdem ich eine Nacht in großer Höhe verbracht habe, wende ich den Lenker und trete den Rückzug an. Diese Herausforderung kann ich mir für die nächste Reise aufheben.
In Chile besuche ich die Valle de la Luna, das Tal des Mondes, die Wüste von Atacama und die Salzseen. Nachdem ich die Fotos auf Facebook gepostet habe, setzen sich Pinuccio und Doni mit mir in Verbindung, zwei Motorradfahrer, die seit vier Jahren mit einer alten Transalp durch Südamerika reisen. Ich nehme Kontakt auf, und wir beschließen, uns bei der Skulptur Mano del Desierto im Süden der Stadt Antofagasta zu treffen.

Während ich auf der Weiterfahrt das Zentrum der Chilenischen Stadt Copiapó durchquere, bohrt sich ein Schraubenschlüssel, den jemand auf dem Asphalt verloren hatte zwischen die Stollen meines neuen Reifens und trennt sowohl den Reifen als auch den Schlauch glatt durch. Es ist Sonntag und mindestens 42 Grad. Ich halte im Schatten eines Baumes an und kratze allen Mut zusammen, um das Rad abzubauen. Ein vorbeikommender Motorradfahrer erkennt meine Schwierigkeit und bietet netterweise seine Hilfe an. Er lädt mein Rad auf seine Maschine und begleitet mich bis zur Baracke des einzigen Reifenmechanikers, der in der Umgebung geöffnet hat. Er ist ein alter Mann, der unter armseligen Bedingungen arbeitet aber eine optimale Arbeit abliefert, indem er den Riss der Decke vulkanisiert und den Schlauch ersetzt. Trotzdem traue ich ehrlich gesagt der Reparatur nicht hundertprozentig und setze meine Reise nach Süden fort, indem ich versuche, die hundert Stundenkilometer nicht zu überschreiten.
Entlang der Strecke halte ich an, um Fotos von einer Herde von kleinen, am Ufer eines Weihers grasenden Lamas zu schießen, als Motorradfahrer mit italienischem Kennzeichen vorbeikommen und anhalten. Es sind eine 61jährige Frau, ihr Mann und ein Freund mit dem ich den Container für den Transport des Motorrads geteilt hatte.
Zirka zwei- bis dreihundert Kilometer südlich von Valparaíso komme ich durch wunderschöne Landschaften in der Gegend von Santa Cruz entlang der Ruta dell’Olio (Ölstraße), der Ruta del Vino (Weinstraße) und der Ruta della Frutta (Obststraße). Mir ist fast, als würde ich durch die Maremma fahren!
Durch die Fotos aufmerksam geworden, die ich regelmäßig auf Facebook poste, nimmt Judit Tommaselli mit mir Kontakt auf. Sie ist eine Italo-Französische Journalistin und verfolgt die Dakar seit 1995. In diesen Tagen durchreist sie gerade Chile mit ihrem Jeep im Alleingang. Wir nehmen uns vor, uns zu treffen und zusammen ein Folklore-Weinfest am See zu besuchen. Nach vier sehr schönen gemeinsam verbrachten Tagen, unter anderem am Meer als Gäste ihres befreundeten Mechanikers, der praktischerweise auch Besitzer von Strandanlagen ist, bricht sie wieder nach Frankreich auf und ich nach Valparaíso. Ich kehre wieder in der Jugendherberge von Enzo und Martina ein, die auf mich warteten, um erneut die Zollunterlagen für das Motorrad vorzubereiten und treffe dort Antonio, Giovanni, Pinuccio und Doni, die wie ich dabei sind, das Motorrad einzuchecken.

Die einzigen technischen Probleme auf der Reise waren die häufigen Platten. Die spitzen Steine kannten keine Gnade mit meinen Reifen.
Glücklicherweise habe es ich mit Hilfe des Kompressors, des Sprays, Lappen und Strippen, die ich dabei hatte, immer geschafft, den Reifen aufzupumpen, so dass ich damit bis zum nächsten Reifenmechaniker kam (meistens dreißig, vierzig Kilometer), der dann das Gummi vulkanisiert hat. Leider erwies sich diese Art der Reparatur bei der Hitze und Geschwindigkeit als nicht sehr zuverlässig.
Bis zum nächsten Mal!

Text und Fotos: Silvia Giannetti

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